Souss-Massa Nationalpark
Südlich von Agadir erstreckt sich ein Küstenstreifen, der seit 1991 unter Schutz steht. Auf 340 Quadratkilometern erstreckt sich das Areal 65 Kilometer in den Süden bis zur Stadt Tiznit. Zwei Flüsse prägen die Region. Im Norden mündet der Oued Souss in den Ozean, weiter südlich verläuft der Oued Massa durch die Mitte des Gebiets. Die Lage am Atlantik bringt feuchte Nordwest-Winde mit sich, die für ein milderes Klima sorgen als im heißen Hinterland.
Seit 2007 lässt sich das Gelände entweder auf festen Rundwegen oder mit Naturführern im Geländewagen erkunden. Innerhalb der Grenzen liegen sieben Dörfer, in denen rund 2.500 Menschen leben. Der Park gehört zum UNESCO-Biosphärenreservat „Arganeraie“. In dieser Zone wird das Ökosystem erhalten und die Arbeit der Bewohner unterstützt, etwa in der Imkerei, beim Muschelsammeln, in der Küstenfischerei und im Handwerk.
Die Landschaft wechselt zwischen Flussmündungen, Wanderdünen, trockener Steppe und Felsklippen. Bisher wurden dort etwa 300 Pflanzenarten und 275 Vogelgattungen gezählt. Für Zugvögel bilden die Wasserflächen einen Zwischenstopp auf ihrem Weg über den Kontinent. Neben 50 Säugetierarten leben hier auch Tiere, die andernorts selten geworden sind. In großen Gehegen werden Mendesantilopen, Säbelantilopen und Mhorrgazellen nachgezüchtet.
Inhalt
Flora und Fauna im Sousse-Massa-Nationalpark
An der Küste und im Hinterland wechseln sich Wälder, Feuchtgebiete und Strände mit steilen Klippen und hohen Dünen ab. Diese verschiedenen Lebensräume bieten eine biologische Bandbreite, die über die übliche Küstenvegetation hinausgeht.

Tierwelt
Besondere Bedeutung hat der Park als Brutplatz des Waldrapps. Etwa die Hälfte des weltweiten Bestandes nistet an den hiesigen Klippen. An den Lagunen der Flüsse Souss und Massa halten sich Rosaflamingos und Löffler auf, auch die gefährdete Marmelente zieht hier ihre Jungen auf. Am Himmel sind Fischadler, Habichtsadler sowie Wander- und Berberfalken zu sehen. Die höchste Zahl an Tieren kommt im März und April zusammen, wenn die Zugvögel ihre Pausen einlegen.
Unter den 24 Säugetierarten finden sich neben Schakalen, Füchsen und Falbkatzen auch Stachelschweine, Eichhörnchen und Wiesel. Ein Schwerpunkt liegt auf der Aufzucht von Huftieren, die in freier Wildbahn fast verschwunden sind. In großen Gehegen leben Säbelantilopen, Mendesantilopen und Mhorrgazellen. Auch die Bestände der Dorkasgazelle und des afrikanischen Rothals-Straußes werden hier stabilisiert. In den Flussläufen leben zudem Kröten und Frösche. Geckos und Eidechsen bewohnen die trockeneren Zonen.
Pflanzenwelt
Die Vegetation ist an den Salzgehalt des Bodens und an die Meeresbrise angepasst. In den feuchten Bereichen der Mündungen wachsen Rohrkolben und Binsen. An den Dünen halten Zypergräser und die Gelbe Hauhechel den Sand fest.
Weiter im Landesinneren verändert sich das Bild hin zu Savannen mit Arganbäumen und Eukalyptusbäumen. Daran schließen sich Steppen an, in denen Strandflieder und Reiherschnäbel vorkommen. Eine botanische Besonderheit sind Flächen mit Sukkulenten wie Wolfsmilchgewächsen, Kalanchoe und dem bohnenähnlichen Jochblatt. Diese Pflanzen finden sich fast ausschließlich auf dem Küstenstreifen zwischen Marokko und Mauretanien.

Übernachten im Souss-Massa-Nationalpark
Die Auswahl an Unterkünften direkt im Schutzgebiet ist begrenzt, da die meisten Reisenden in Agadir wohnen. Wer jedoch im Park übernachten möchte, findet in der La Palmeraie de Massa (Booking.com) die einzige Möglichkeit. Diese familiär geführte Auberge liegt in einem Palmenhain. Zur Ausstattung gehören ein Außenpool sowie Terrassen mit Ausblick auf das Dorf und die Berge. Die Küche serviert hausgemachte, regionale Menüs. Die Naturpfade des Oued Massa liegen direkt vor der Haustür.
Praktische Hinweise und Tipps für den Besuch
Wer den Nationalpark besucht, sollte festes Schuhwerk und Kleidung wählen, die vor Sonne und Wind schützen. Da die Strahlung an der Küste oft unterschätzt wird, gehören Sonnencreme und Kopfbedeckung zur Grundausstattung. Da es im Park keine Kioske gibt, ist für den gesamten Aufenthalt genügend Trinkwasser notwendig.
Frühjahr und Herbst bieten moderate Temperaturen für Touren. Vögel und andere Wildtiere lassen sich kurz nach Sonnenaufgang oder vor der Dämmerung am besten beobachten. Zudem entgeht man so der Hitze um die Mittagszeit. Um die Tiere nicht zu stören, ist ruhiges Verhalten wichtig. Das Verlassen der markierten Pfade ist zum Schutz der Vegetation und der Brutplätze untersagt.
Organisierte Ausflüge in den Nationalpark Sousse-Massa
Von Agadir aus lassen sich halbtägige Ausflüge planen. Solche Touren sind sinnvoll, um die abgelegeneren Zonen des Gebiets zu erreichen, die für private PKW schwer zugänglich sind. Ein typisches Angebot umfasst die Abholung am Hotel sowie den Transport im Geländewagen (GetYourGuide). Vor Ort führt ein lokaler Guide durch den Park. Oft sind Mittagessen sowie die Eintrittsgebühr enthalten. Diese Ausflüge lassen sich mit Besuchen in Küstendörfern wie Anza, Taghazout oder Tamri verbinden.
Anreise
Der Souss-Massa-Nationalpark liegt etwa 20 Kilometer südlich von Agadir. Mit dem Auto dauert die Fahrt über die Küstenstraße etwa eine Stunde. Reisende aus Tiznit erreichen das Gebiet von Süden her in ähnlicher Zeitspanne. Ohne eigenen Wagen nutzt man zwischen Agadir und Tiznit Linienbusse oder Sammeltaxis (Grands Taxis). Da diese nicht bis zu den Stationen fahren, ist für das letzte Stück ein lokales Taxi oder ein Fußweg nötig.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Souss-Massa-Nationalpark
Die Monate im Frühjahr und Herbst eignen sich am besten, da die Temperaturen moderat bleiben. Wanderungen und Tierbeobachtungen sind dann gut möglich. Wer speziell wegen der Zugvögel anreist, findet im März und April die größte Artenvielfalt in den Lagunen und an den Küstenabschnitten.
Die Fahrt mit dem Auto dauert von Agadir aus etwa eine Stunde Richtung Süden. Neben Mietwagen und Sammeltaxis bieten viele Reiseveranstalter organisierte Touren an. Bei diesen Ausflügen ist der Transport vom Hotel und zurück oft im Preis enthalten, was die Anreise zu den verschiedenen Sektoren des Parks erleichtert.
An den Eingängen und im Besucherzentrum können lokale Naturführer für Wanderungen gebucht werden. Für Fahrten mit dem Geländewagen in die Schutzzonen ist eine Anmeldung im Voraus ratsam. Fachkundige Begleiter helfen dabei, seltene Tierarten wie den Waldrapp oder die Antilopen in den weitläufigen Gehegen zu finden.
Das Fotografieren der Landschaft und der Tiere ist gestattet. Dabei ist ein respektvoller Abstand zu den Wildtieren einzuhalten, um sie nicht zu stören. Ein Teleobjektiv ist für Aufnahmen von Vögeln und Huftieren sinnvoll. In den Siedlungen sollte vor dem Fotografieren von Personen um Erlaubnis gebeten werden.
Das Gelände ist für Familien gut zugänglich, da die Wege flach und leicht begehbar sind. Besonders die Gehege mit Antilopen und Straußen sowie die Beobachtungsposten an den Flüssen sind für Kinder interessant. Eltern sollten wegen der direkten Sonne auf ausreichend Schatten und ausreichende Wasservorräte achten.



