Das Rosenfest von El-Kelâa M’Gouna
Tief im Süden Marokkos, etwa sechs Stunden südöstlich von Marrakesch in der Provinz Ouarzazate, liegt das Dadès-Tal – aufgrund seiner einzigartigen Flora besser bekannt als das „Tal der Rosen“. Jedes Jahr im Frühjahr wird die Kleinstadt El-Kelaá M’Gouna Schauplatz eines der bedeutendsten kulturellen Ereignisse des Landes: des Moussem des Roses (Rosenfestes).
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Das Tal der Rosen
Das Tal der Rosen (Vallée des Roses) erstreckt sich entlang des M’Goun-Wadis auf einer Höhe von etwa 1.400 Metern. Eingerahmt von den Gipfeln des Hohen Atlas und der kargen Berglandschaft des Jebel Saghro, bildet das Tal eine fruchtbare Oase. Hier säumen über 4.000 Kilometer Rosenhecken die Felder, auf denen neben Feigen-, Oliven- und Mandelbäumen vor allem die Damaszener-Rose (Rosa damascena) gedeiht.
Das Festival blickt auf eine Tradition zurück, die in den späten 1930er Jahren begann, als unter französischer Schirmherrschaft die ersten kommerziellen Rosen-Destillerien errichtet wurden. Heute ist das Fest ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für die Region und zieht Tausende Besucher an, darunter Einheimische, Händler und internationale Touristen.

Ablauf und Höhepunkte des Rosenfests
Der genaue Zeitpunkt des Festivals variiert jährlich, da er sich strikt nach der Blütezeit der Rosen richtet. In der Regel findet die Hauptfeier am ersten oder am zweiten Mai-Wochenende statt.
Die Feierlichkeiten erstrecken sich oft über den gesamten Monat und beleben die sonst ruhige Stadt mit marokkanischer Folklore.
- Folklore und Umzüge: Berberstämme aus der gesamten Region präsentieren traditionelle Tänze, Gesänge und Schwertkämpfe, begleitet von aufwendigen Paraden mit blumengeschmückten Wagen.
- Wahl der Rosenkönigin:Krönung der „Miss Rose“, die die Schönheit und den Reichtum der Region während der Festlichkeiten repräsentiert.
- Marktplatz der Regionen: Neben Rosenprodukten bieten Handwerker aus ganz Marokko ihre Waren an. Dazu gehören Safran aus Taliouine, Silberwaren, Arganöl, Teppiche aus Tazenakht sowie Keramik.
- Atmosphäre: Die Straßen sind von Ständen gesäumt, an denen Kinder handgeflochtene Rosenkränze verkaufen. Der Duft der Blüten ist in der gesamten Stadt wahrnehmbar.
Produktion und Verarbeitung: Vom Feld zum Flakon
Die Ernte und Verarbeitung der Rosen sind präzise getaktet und sichern das Überleben vieler Familien in der Region. Pro Jahr werden im Tal rund 400 Tonnen Rosenblüten geerntet.
Die Ernte
Die Erntesaison dauert lediglich etwa drei Wochen. Da die ätherischen Öle der Rosen bei starker Sonneneinstrahlung verdunsten, beginnt die Arbeit der Pflücker bereits im Morgengrauen, zumeist von Hand. Ein erfahrener Pflücker kann pro Tag mehrere Kilogramm Blüten sammeln, wobei der Verdienst pro Kilo bei etwa 13 bis 15 Dirham liegt.

Der Destillationsprozess
Nach der Ernte werden die Blüten gewogen und umgehend an die lokalen Kooperativen oder Fabriken (wie etwa die Association Féminine du Dadès) übergeben. Hier erfolgt die weitere Verarbeitung.
- Trocknung: Ein Teil der Knospen wird auf Dächern sonnengetrocknet. Diese finden Verwendung in der Dekoration, als Teezusatz oder in Potpourris.
- Dampfdestillation: Der Großteil der frischen Blütenblätter wird zur Gewinnung von Rosenwasser und Rosenöl verwendet. In großen Kupferkesseln werden die Blätter mit Wasser erhitzt. Der aufsteigende Dampf löst die ätherischen Öle. Beim Abkühlen kondensiert der Dampf zu Rosenwasser.
- Gewinnung von Rosenöl: Das hochkonzentrierte Rosenöl setzt sich als dünne Schicht auf dem Rosenwasser ab und wird anschließend abgeschöpft. Dieses Öl ist extrem kostbar; ein einziger Teelöffel reines Rosenöl kann einen Marktwert von etwa 70 bis 80 Euro erreichen.
Verwendung der Endprodukte
Marokkanisches Rosenwasser ist reich an Vitamin E, Vitamin A und Vitamin B3 sowie an Antioxidantien. In der Kosmetik wird es für Cremes, Seifen und Reinigungslotionen geschätzt. In der Küche verfeinert es Desserts und Gebäck. Das wertvolle Öl ist hingegen ein unverzichtbarer Grundstoff für die internationale Luxusparfümerie.



