Obst und Früchte aus Marokko

Dank des warmen Klimas gedeihen in Marokko zahlreiche exotische Früchte, die man aus Europa oft nur als Importware kennt. Hier findest du einen kurzen Überblick über Obst- und Früchtearten, die in Marokko heimisch sind und dort angebaut werden.

Früchte in Marokko im Überblick

Damit du bei deinem nächsten Marktbesuch genau weißt, was gerade frisch geerntet wird, zeigt dir dieser Saisonkalender die Erntezeiten marokkanischer Früchte im Überblick.

Orangen & Clementinen (Litchine)

Marokko gehört zu den weltweit führenden Exporteuren von Zitrusfrüchten. Die Qualität ist herausragend und reicht von den süßen, kernlosen Clementinen bis hin zu saftigen Orangen, aus denen an fast jeder Straßenecke, besonders auf dem Djemaa el-Fna in Marrakesch, frisch gepresster Saft zubereitet wird. Die Früchte sind bekannt für ihr intensives Aroma und ihre dünne Schale.

  • Saison: Die Haupterntezeit liegt zwischen dem Winter und dem Frühling (November bis Mai).
  • Hauptanbaugebiete: In den fruchtbaren Ebenen der Souss-Region (Agadir), im Gharb (nördlich von Rabat) und rund um Berkane im Nordosten.

Zitronen (Limoun)

Die Zitrone ist in Marokko nicht aus der Gastronomie wegzudenken. Besonders geschätzt wird die aromatische Sorte Doce. Zitronen in Marokko werden zu einer besonderen Delikatesse verarbeitet: den Salzzitronen (L’hamd Marakad). Durch das mehrwöchige Einlegen in einer Salzlake verlieren die Schalen ihre Bitterkeit und entwickeln ein tiefes, fast parfümiertes Aroma. Sie verleihen Tajines mit Huhn oder Fisch sowie zahlreichen Salaten eine unvergleichliche, würzig-saure Note.

  • Saison: Zitronen werden in Marokko fast das ganze Jahr über geerntet, mit einer Haupterntezeit zwischen Winter und Frühjahr.
  • Hauptanbaugebiete: Die fruchtbaren Regionen im Norden (um Berkane und Tanger) sowie die sonnenverwöhnte Souss-Ebene rund um Agadir und Taroudant.

Äpfel (Tofah)

Während man bei Marokko oft zuerst an die Wüste denkt, bieten die Ausläufer des Atlasgebirges ein nahezu perfektes Klima für den Äpfelanbau. Marokkanische Äpfel sind knackig und haben dank der intensiven Bergsonne eine sehr ausgeprägte Süße. Besonders die Region um Midelt ist berühmt für ihre Apfelproduktion und feiert jedes Jahr ein großes Apfelfest. In der Küche werden sie gerne frisch gegessen, aber auch in süßen Tajines oder als Zutat in Obstsalaten verwendet.

  • Saison: Die Haupternte findet im Spätsommer und Herbst (August bis Oktober) statt. Dank guter Lagerung sind sie jedoch fast das ganze Jahr über verfügbar.
  • Hauptanbaugebiete: Das Zentrum des Apfelanbaus liegt in Midelt (zwischen Mittlerem und Hohem Atlas), in der Region Azrou sowie im Imouzzer Kandar.

Pflaumen (Berqouq)

Pflaumen sind in Marokko eine unverzichtbare Zutat für eines der berühmtesten Gerichte des Landes: die Lamm-Tajine mit Pflaumen. Während ein Großteil der Ernte getrocknet wird, um das ganze Jahr über für Fleischgerichte zur Verfügung zu stehen, sind die frischen Früchte im Sommer ein beliebter Snack. Die marokkanischen Sorten reichen von gelben, sehr süßen Pflaumen bis hin zu tiefdunklen, saftigen Früchten.

  • Saison: Frische Pflaumen haben von Juni bis September Saison. Getrocknete Pflaumen (Berqouq M’assel) sind das ganze Jahr über erhältlich.
  • Hauptanbaugebiete: Vor allem in den kühleren Regionen des Mittleren Atlas (rund um Meknès und Fès) sowie in den fruchtbaren Ebenen des Haouz bei Marrakesch.

Trauben (Eneb)

Trauben wachsen in Marokko in beeindruckender Vielfalt. Diese reicht von kleinen, kernlosen Sorten bis hin zu großen, dunklen Muskattrauben. Besonders beliebt sind die Muskattrauben aus der Region Doukkala, die ein sehr intensives, fast blumiges Aroma aufweisen. In Marokko genießt man Trauben oft als Dessert nach einer schweren Mahlzeit oder reicht sie zusammen mit Melonen. Zudem wird ein Teil der Ernte zu hochwertigen Rosinen getrocknet, die in Couscous-Gerichten (wie dem Tfaya) verwendet werden.

  • Saison: Die Traubenernte erstreckt sich über den gesamten Sommer bis in den späten Herbst (Juni bis November).
  • Hauptanbaugebiete: Die Küstenregion Doukkala (südlich von Casablanca), die Region Benslimane sowie die Ebenen rund um Meknès und Marrakesch.

Aprikosen (Meshmesh)

Die marokkanischen Aprikosen sind klein, aber unglaublich geschmacksintensiv und süß. Sie werden oft direkt vom Baum gegessen, werden aber auch in der marokkanischen Küche. In berühmten Tajine-Gerichten werden sie in getrockneter Form mit Honig und Zimt karamellisiert, um den typischen süß-salzigen Kontrast zu erzeugen. Die kurzen Erntephasen werden im Land mit Freude erwartet.

  • Saison: Eine recht kurze Saison im Frühling und Frühsommer (Mai bis Juli). Getrocknet sind sie das ganze Jahr über erhältlich.
  • Hauptanbaugebiete: Besonders in der Region Marrakesch-Safi und im Haouz-Becken sowie in den Tälern des Hohen Atlas (z.B. Ourika-Tal).

Feigen (El Karmouss)

Feigen gehören zu den ältesten Kulturpflanzen Marokkos und sind ein Symbol für Gastfreundschaft. Wenn im Spätsommer die Ernte beginnt, füllen sich die Märkte mit den empfindlichen, zuckersüßen Früchten, die von dunkelviolett bis hellgrün variieren. Eine Besonderheit sind die wilden Bergfeigen aus dem Norden des Landes. Außerhalb der kurzen Erntezeit spielen sie auch als Trockenfrüchte eine Rolle. In den Souks sieht man oft kunstvoll auf Schnüren aufgefädelte getrocknete Feigen, die ein beliebter und nahrhafter Snack sind.

  • Saison: Frische Feigen gibt es von Juni bis September, mit Höhepunkt im August. Getrocknet sind sie das ganze Jahr über erhältlich.
  • Hauptanbaugebiete: Besonders berühmt sind die Region um Taounate im Rif-Gebirge sowie die nördlichen Gebiete rund um Chefchaouen und Wazzane. Auch in den Oasen des Südens sind sie weit verbreitet.

Kaktusfeigen (Handia)

Diese stacheligen Früchte des Feigenkaktus sind der typische Sommersnack in Marokko. Man sieht im Juli überall Straßenverkäufer mit Karren voller Früchte, die sie für ein paar Dirham geschickt mit dem Messer schälen und dem Käufer direkt in die Hand geben. Sie schmecken erfrischend süß und enthalten viele kleine, essbare Kerne.

  • Saison: Hochsommer, hauptsächlich im Juli und August.
  • Hauptanbaugebiete: Besonders verbreitet im Südwesten, in der Region Sidi Ifni sowie in den trockeneren Gebieten rund um Agadir und Tiznit.

Datteln (Tmar)

Datteln sind das „Brot der Wüste“ und tief in der marokkanischen Identität und Religion verwurzelt. Marokko beheimatet über 100 verschiedene Sorten, wobei die Mejhoul-Dattel aufgrund ihrer Größe, ihrer fleischigen Textur und ihres feinen Karamellaromas als die edelste gilt. Sie ist ein Symbol der Gastfreundschaft und wird Besuchern traditionell zusammen mit einem Glas Milch zur Begrüßung gereicht. 

Während des Fastenmonats Ramadan ist die Dattel das erste Lebensmittel, das beim Iftar (Fastenbrechen) verzehrt wird. In den Souks findet man sie nicht nur pur, sondern oft kunstvoll gefüllt mit Walnüssen, Mandeln oder hausgemachter Marzipanpaste.

  • Saison: Die Haupternte der frischen Früchte findet im September und Oktober statt. Aufgrund ihrer natürlichen Haltbarkeit und Trocknung sind sie jedoch das ganze Jahr über in höchster Qualität verfügbar.
  • Hauptanbaugebiete: Die riesigen Palmenhaine in den Flussoasen des Südens, insbesondere im Drâa-Tal, in der Region Tafilalet rund um die „Dattel-Hauptstadt“ Erfoud sowie in den Oasen von Zagora.

Granatäpfel (Rhomman)

Der Granatäpfel gilt in Marokko als Symbol der Fruchtbarkeit. Die marokkanischen Sorten sind oft überraschend süß und weniger herb als die im europäischen Supermarkt erhältlichen Früchte. Man isst sie gerne pur, mischt die Kerne mit etwas Orangenblütenwasser oder verarbeitet sie zu erfrischenden Säften.

  • Saison: September bis Dezember.
  • Hauptanbaugebiete: Vor allem in der Region Fkih Ben Salah, im Al-Haouz-Becken bei Marrakesch und in den Ausläufern des Mittleren Atlas.

Bananen (Banan)

In Marokko findet man zwar die üblichen Import-Bananen, aber der Stolz des Landes sind die „Bananen aus Tamri“. Diese einheimische Sorte ist deutlich kleiner als die herkömmliche Exportware (oft nur halb so groß), dafür aber wesentlich süßer und intensiver im Geschmack. Wenn du durch Marokko reist, wirst du an den Straßenrändern oft Stände sehen, an denen ganze Stauden dieser kleinen, gelben Köstlichkeiten hängen. Sie werden fast ausschließlich frisch verzehrt oder in Obstsalaten und Milchshakes verwendet.

  • Saison: Dank des milden Klimas im Süden werden Bananen in Marokko das ganze Jahr über geerntet, wobei die Qualität im Frühjahr und Herbst am höchsten ist.
  • Hauptanbaugebiete: Das unangefochtene Zentrum ist das Dorf Tamri nördlich von Agadir sowie die geschützten Küstenstreifen der Souss-Massa-Region. Hier gedeihen sie in Küstennähe, wo die Luft feucht und der Frost fernbleibt.

Melonen (Dellik & Battikh)

Sobald die Hitze im Land steigt, werden Melonen zum Grundnahrungsmittel. Man unterscheidet zwischen der Wassermelone (Dellik) und der Honigmelone (Battikh). Die marokkanischen Wassermelonen können gigantische Ausmaße annehmen und sind für ihr tiefrotes, zuckersüßes Fruchtfleisch bekannt.

  • Saison: Ganzer Sommer über (Mai bis September).
  • Hauptanbaugebiete: Die Region um Zagora (bekannt für sehr frühe Ernten) sowie die Regionen Marrakesch und Kenitra.

Mandeln (Louz)

Mandeln sind keine klassischen Früchte, aber sie sollen hier dennoch erwähnt werden. In Marokko sind sie nicht nur ein Snack wie hierzulande, sondern bilden die Basis für fast das gesamte traditionelle Gebäck, darunter die berühmten „Gazellenhörnchen“. Ein besonderes Highlight ist die Mandelblüte im Februar, die im Antiatlas ganze Täler in ein weiß-rosa Blütenmeer verwandelt. Man genießt die Mandeln geröstet und gesalzen, als Mandelmilch oder als Amlou, einem köstlichen Aufstrich aus Mandeln, Arganöl und Honig.

  • Saison: Die Blüte ist im Februar; die Ernte erfolgt im Spätsommer (August und September).
  • Hauptanbaugebiete: Die Region rund um Tafraoute im Antiatlas (wo auch das jährliche Mandelblütenfest stattfindet) sowie im Norden des Rif-Gebirges.

Erdbeeren (Fraise)

Marokko hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem der weltweit bedeutendsten Exporteure von Erdbeeren entwickelt. Die Früchte profitieren von der intensiven Sonne und dem milden Klima an der Atlantikküste, was sie besonders früh im Jahr reifen lässt. In Marokko findet man sie auf den Märkten oft in beeindruckender Größe und Qualität, meist für einen Bruchteil des Preises in Europa.

  • Saison: Die Ernte beginnt oft schon im Dezember und reicht bis in den Mai, wobei die Hochphase zwischen Januar und März liegt.
  • Hauptanbaugebiete: Fast ausschließlich in den feuchteren, nördlichen Küstenregionen des Gharb zwischen Rabat und Tanger, insbesondere rund um die Stadt Larache.

Avocados (Avocat)

Während die Avocado in Europa meist in herzhaften Salaten oder als Guacamole gegessen wird, hat sie in Marokko eine ganz besondere Tradition. Denn Avocado ist die Hauptzutat für den beliebten „Jus d’Avocat“. In den Cafés der Souks wird sie mit Milch, Zucker und oft auch mit Mandeln oder Datteln zu einem cremigen, fast puddingartigen Shake gemixt. Die marokkanischen Avocados, meist der Sorte Hass oder Fuerte, sind bekannt für ihren hohen Ölgehalt und ihre butterweiche Konsistenz.

  • Saison: Die Erntezeit erstreckt sich über die kühleren Monate von November bis April.
  • Hauptanbaugebiete: Der Anbau konzentriert sich auf den fruchtbaren Küstenstreifen am Atlantik, insbesondere in der Region Gharb (zwischen Kenitra und Larache) sowie rund um Azemmour, wo das Klima mild und frostfrei ist.

Zahlreiche weitere Obstsorten

  • Kaki
  • Kirschen
  • Maulbeeren
  • Nektarinen
  • Pfirsiche

Wo man am besten Gemüse, Obst und Früchte in Marokko kauft

In Marokko hängen die Preise stark von der Saison und dem Ernteerfolg ab, weshalb feste Preisangaben wenig sinnvoll sind. Dank unterschiedlicher Klimazonen und Erntezeiten gibt es jedoch das ganze Jahr über frisches Obst, das reif und damit preiswert verfügbar ist.

Am günstigsten kauft man in Marokko Früchte in den Souks oder in lokalen Markthallen. Hier ist die Ware meist frischer und deutlich günstiger als in Supermärkten. Während regionales Obst sehr erschwinglich ist, sind Importwaren (z. B. aus Südamerika) unverhältnismäßig teuer. Der Einkauf im Souk bietet zudem ein schönes Erlebnis. Wer sich nach dem saisonalen Angebot richtet, kann sich in Marokko sehr gesund und kosteneffizient versorgen.

Autorenbild Schmidt

Joachim Schmidt ist Journalist und Kommunikationswissenschaftler. Seit 2000 ist er jedes Jahr in Marokko unterwegs, zunächst als Backpacker, später als Reisejournalist und heute am liebsten mit der Familie. Dabei verbindet er sein gesammeltes Hintergrundwissen mit großer Leidenschaft für die marokkanische Kultur und Küche. Seinen Tag beginnt er am liebsten mit einem Espresso in einem kleinen Straßencafe in der Medina.

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