Steckbrief Marokko
Marokko nimmt die nordwestliche Spitze des afrikanischen Kontinents ein. An der schmalsten Stelle der Straße von Gibraltar trennen lediglich 14 Kilometer das Land vom europäischen Festland. Geografisch wird das Staatsgebiet im Norden durch das Mittelmeer und im Westen durch den Atlantik begrenzt, während es nach Osten und Süden in die Weiten der Sahara übergeht.
Inhalt
Die marokkanische Identität setzt sich aus der indigenen Kultur der Imazighen, arabisch-islamischen Traditionen sowie Einflüssen aus dem subsaharischen Afrika und der europäischen Kolonialzeit zusammen. Heute zeigt sich dieses Zusammenwirken in der Architektur, den Sprachen und den gesellschaftlichen Strukturen des modernen Königreichs.

| Offizieller Name | Königreich Marokko (Al-Mamlaka al-Maghribiya) |
| Hauptstadt | Rabat |
| Einwohnerzahl | ca. 38 Millionen |
| Fläche | 446.550 km² |
| Kontinent | Afrika |
| Währung | Marokkanischer Dirham (MAD) |
| Sprachen | Arabisch, Amazigh (Berberisch) |
| Regierungsform | Konstitutionelle Monarchie |
| Staatsoberhaupt | König Mohammed VI. |
| Religion | Islam (Sunniten, malikitische Rechtsschule) |
Geografie: Gebirgszüge, Wüste und Küstenverlauf
Marokkos Landschaft gliedert sich in vier markante Zonen: die Küstenregionen, die Gebirgsketten des Atlas und des Rif, die atlantische Hochebene sowie die Sahara-Becken im Südosten.
Küsten und Hochebenen
Im Norden grenzt das Land an das Mittelmeer, wo die Küste von felsigen Abschnitten und Buchten geprägt ist. Die Atlantikküste im Westen verläuft flacher und weist ausgedehnte Sandstrände auf. Besonders der Abschnitt bei Essaouira ist für stetige Winde bekannt, die die Stadt zu einem beliebten Surfspot machen. Zwischen der Küste und den Gebirgszügen liegt die Meseta, eine weite Hochebene, die von vereinzelten Inselbergen unterbrochen wird.
Die Atlas-Gebirge
Drei Gebirgsketten durchziehen das Land von Südwesten nach Nordosten:
- Hoher Atlas: Mit 4167 Metern Höhe liegt hier der höchste Punkt Nordafrikas, der Djebel Toubkal. Die Region ist durch tiefe Täler und traditionelle Berberdörfer gekennzeichnet.
- Mittlerer Atlas: In dieser wasserreichen Region gibt es große Zedernwälder und Seen.
- Anti-Atlas: Als südlichster Ausläufer bildet dieses Gebirge die Grenze zu den Wüstengebieten und umschließt verschiedene Oasensysteme.
Wüste und Vegetation
Südöstlich des Atlas beginnt die Sahara. Das Landschaftsbild wechselt hier zwischen Steinwüsten (Hamada) und Sanddünenfeldern (Ergs), etwa am Erg Chegaga bei M’Hamid. Entlang der Flusstäler liegen Palmenoasen und Lehmbausiedlungen sowie sogenannte Kasbahs, darunter das Dorf Ait Ben Haddou.

Religion in Marokko
Mit einem Bevölkerungsanteil von rund 99 % ist der Islam die tragende Konfession und laut Verfassung Staatsreligion. Die Glaubenspraxis folgt der sunnitisch-malikitischen Rechtsschule, ist moderat-liberal und integriert spirituelle Einflüsse des Sufismus. Der König nimmt als „Amir al-Mu’minin“ die Funktion der obersten religiösen Instanz ein und erhält seine Legitimität durch eine direkte Abstammung vom Propheten Mohammed.
Religiöse Minderheiten, darunter eine historisch tief verwurzelte jüdische Gemeinde sowie vorwiegend ausländische Christen, leben fast ausschließlich in den urbanen Zentren.

Politik
Das politische System Marokkos ist eine konstitutionelle Monarchie mit einer starken Stellung des Königs. Mohammed VI. verfügt als Staatsoberhaupt und Oberbefehlshaber der Streitkräfte über Befugnisse, die weit über rein repräsentative Aufgaben hinausgehen. Er ernennt den Ministerpräsidenten und kann das Parlament auflösen. Das Parlament besteht aus zwei Kammern, in denen derzeit liberale und konservative Parteien wie die RNI dominieren.
Ein außenpolitisches Dauerthema bleibt der Status der Westsahara, deren Territorium Marokko zu großen Teilen beansprucht und verwaltet.
Marokkos Wirtschaft
Die marokkanische Wirtschaft wandelt sich derzeit von einem Agrarstaat zu einem Industriestandort für Hochtechnologie. Das Land ist mittlerweile der größte Automobil-Exporteur Afrikas und kontrolliert zudem die weltweit größten Phosphatreserven.
Neben der verarbeitenden Industrie trägt der Tourismus mit jährlich rund 25 Millionen Gästen maßgeblich zu den Deviseneinnahmen bei.
Durch Großprojekte wie den Solarpark Ouarzazate soll der Anteil erneuerbarer Energien bis 2030 auf über 50 % steigen. Strukturelle Probleme bleiben jedoch die Abhängigkeit der Landwirtschaft von Regenmengen sowie die hohe Arbeitslosigkeit unter jungen Erwachsenen.

Über fünf Millionen Auslands-Marokkaner, die vornehmlich in Europa leben, unterstützen die marokkanische Wirtschaft durch regelmäßige Rücküberweisungen in Milliardenhöhe.
Geschichte von Marokko im Schnelldurchlauf
Marokkos Ursprünge liegen in den Siedlungsgebieten der Berber sowie in antiken phönizischen und römischen Stützpunkten wie Volubilis. Mit der arabischen Expansion im 7. Jahrhundert etablierte sich der Islam, und unter den Idrisiden entstand ab 789 mit Fès das erste eigenständige Reich.
Es folgten die Dynastien der Almoraviden und Almohaden, die von Marrakesch und Rabat aus ein Großreich bis auf die Iberische Halbinsel beherrschten. Nach dem Ende des transsaharischen Goldhandels und der inneren Machtkämpfe stabilisierten die Saadier im 16. Jahrhundert das Land, bevor 1666 die bis heute regierenden Alawiden die Macht übernahmen.

Der wachsende europäische Einfluss mündete 1912 in der Aufteilung des Landes in ein französisches und ein spanisches Protektorat. Nach Jahren des Widerstands erlangte Marokko 1956 unter Mohammed V. die Unabhängigkeit. Auf die autoritär geprägte Regierungszeit von Hassan II. folgte 1999 dessen Sohn Mohammed VI., unter dem eine wirtschaftliche Modernisierung sowie Infrastrukturprojekte wie der Hafen Tanger-Med forciert wurden.
Klima in Marokko
Das Klima Marokkos ist aufgrund der geografischen Lage zwischen dem Atlantik, dem Mittelmeer und der Sahara sowie durch die hohen Gebirgszüge stark gegliedert.

Klimazonen nach Regionen
- Mittelmeer- und Atlantikküste: Der Norden weist ein mediterranes Klima mit feuchten, milden Wintern und trockenen Sommermonaten auf. An der Atlantikküste sorgt der Einfluss des Meeres für gemäßigtere Temperaturen, die auch im Hochsommer selten Extremwerte erreichen.
- Zentrales Bergland: In den Regionen des Atlasgebirges herrscht ein kontinentales Hochgebirgsklima. Im Hohen und Mittleren Atlas sind zwischen Dezember und März Schneefälle üblich.
- Sahara und südliche Randgebiete: Südlich des Atlasgebirgs dominiert ein arides Wüstenklima. Hier treten extreme Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht auf. Im Sommer werden tagsüber regelmäßig Werte über 45 °C gemessen. Dagegen können die Nächte im Winter bis an die Frostgrenze abkühlen.
Niederschlag und jahreszeitliche Dynamik
Die Regenzeit konzentriert sich auf die Monate zwischen November und März, wobei das Land ein deutliches Nord-Süd-Gefälle aufweist: Während das Rif-Gebirge teils ergiebige Niederschläge verzeichnet, erreicht den tiefen Süden Marokkos kaum noch Feuchtigkeit.
In jüngster Zeit verschiebt ausbleibender Winterregen dieses Gleichgewicht und stellt die Landwirtschaft durch anhaltende Dürren vor existenzielle Probleme. In den Sommermonaten wird die Hitze oft durch den „Chergui“ verschärft. So nennt man den heißen Fallwind aus der Sahara, der die Temperaturen binnen kurzer Zeit in die Höhe treibt.

Für Reisen bietet Marokko im Frühjahr und Herbst die beste Reisezeit, da die Hitze in den tieferen Lagen noch moderat bleibt und die Passhöhen des Atlas bereits schneefrei sind.
Bevölkerung von Marokko
Marokko zählt aktuell rund 38,8 Millionen Einwohner und weist mit einem jährlichen Zuwachs von etwa 1 % eine stetige Wachstumsrate auf. Die Altersstruktur ist von einem hohen Anteil junger Menschen geprägt: Ein Viertel der Bevölkerung ist jünger als 15 Jahre.

Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte beträgt 85 Personen pro Quadratkilometer, jedoch konzentriert sich der Großteil der Menschen auf die urbanen Zentren entlang der Küste und im Norden. Rund zwei Drittel der Marokkaner leben in Städten, davon fast 4 Millionen in Casablanca, gefolgt von der Hauptstadt Rabat sowie Fès, Marrakesch und Tanger.
Die Bevölkerung setzt sich fast ausschließlich aus arabisch-berberischen Gruppen zusammen. Die Imazighen, die sogenannten Berber, stellen als indigene Bevölkerung etwa 40 Prozent der Einwohner und sind besonders im Atlasgebirge und im Rif verwurzelt.

Seit der Verfassungsreform 2011 ist Amazigh als offizielle Landessprache in Marokko anerkannt. Die am häufigsten gesprochene Sprache im Alltag ist allerdings das marokkanische Arabisch Darija. Daneben ist Französisch die wichtigste Verkehrssprache.