Das Opferfest (Eid al-Adha) in Marokko

Eid al-Adha, das islamische Opferfest, gehört zu den bedeutendsten religiösen Feiertagen im Islam. Es prägt das öffentliche Leben in vielen muslimischen Ländern stärker als jedes andere Fest und verbindet tiefe Glaubensinhalte mit gelebter Tradition, familiärer Nähe und sozialer Verantwortung. 

Die Muslime feiern Eid al-Adha während der Hadsch, der großen Pilgerfahrt nach Mekka, und zwar am 10. Tag des islamischen Monats Dhul-Hijjah. Das Fest selbst dauert vier Tage und wird von Millionen Musliminnen und Muslimen weltweit begangen.

Typisch für Eid al-Adha sind gemeinschaftliche Gebete, Familienbesuche, festliche Kleidung und der Gruß „Eid Mubarak“. Doch hinter den sichtbaren Ritualen steckt eine tiefere Bedeutung, die das Opferfest bis heute zu einem der wichtigsten islamischen Feiertage macht.

Geschichte und religiöser Hintergrund des Opferfestes

Das Opferfest Eid al-Adha erinnert an eine der wichtigsten islamischen Narrative, nämlich  die Prüfung des Propheten Ibrahim (im Christentum und Judentum als Abraham bekannt) durch Allah. Sie steht sinnbildlich für absoluten Glauben, Vertrauen und Hingabe an Gott.

Der Überlieferung zufolge erhielt Ibrahim in aufeinanderfolgenden Träumen den göttlichen Befehl, seinen Sohn Ismail zu opfern. Träume gelten im Islam als mögliche Form göttlicher Offenbarung und  für Ibrahim war damit klar, dass es sich um einen ernsthaften Auftrag handelte. Trotz der inneren Zerrissenheit vertraute er auf Allahs Weisheit und offenbarte Ismail den Plan. Dessen Antwort gilt bis heute als Ausdruck tiefen Glaubens, denn er akzeptierte den göttlichen Willen und ermutigte seinen Vater, standhaft zu bleiben.

So begaben sich Vater und Sohn gemeinsam zum vorgesehenen Opferort. Als Ibrahim schließlich zum Messer griff, hielt der Engel Dschibril ihn im letzten Moment zurück. Allah hatte die Bereitschaft und den Gehorsam gesehen. Die Prüfung war somit bestanden. Statt Ismail erschien ein Widder, der geopfert wurde. Diese Begebenheit ist im Koran (Sure 37:100–111) beschrieben und bildet den religiösen Kern des Opferfestes.

Eid al-Adha steht damit nur oberflächlich für ein rituelles Tieropfer. Vielmehr geht es dabei um Tawhid, also die kompromisslose Ausrichtung auf den einen Gott, und um die Bereitschaft, eigene Wünsche dem Glauben unterzuordnen. 

Bedeutung des Opferfests im Islam

Eid al-Adha gehört neben Eid al-Fitr zu den beiden wichtigsten Festen im Islam. Es bildet den spirituellen Höhepunkt der Pilgerfahrt nach Mekka und ist damit eng mit einer der fünf Säulen des Islams verbunden. Das Fest wird von Muslimen weltweit begangen, von Marokko bis nach Indonesien.

Der Festtag beginnt am 10. Tag des Monats Dhul-Hijjah mit dem gemeinschaftlichen Festgebet, dem Salat al-Eid, das in Moscheen oder auf großen öffentlichen Plätzen abgehalten wird. Anschließend folgt für wohlhabende Gläubige das rituelle Opfertier. Je nach materiellen Möglichkeiten wird ein Schaf, eine Ziege, eine Kuh oder ein Kamel geschlachtet. Das Fleisch wird traditionell in drei Teile aufgeteilt – für die eigene Familie, für Freunde oder Nachbarn und für Bedürftige. Genau dieser Akt macht die soziale Dimension des Opferfestes besonders deutlich.

Begleitet wird Eid al-Adha von Familienbesuchen und Süßigkeiten für Kinder. Die Gläubigen kleiden sich festlich und allerorten hört man den Gruß „Eid Mubarak“. Insgesamt dauert das Fest vier Tage, vom 10. bis zum 13. Dhul-Hijjah. In Mekka gehören in dieser Zeit weitere Hadsch-Rituale dazu, etwa die symbolische Steinigung des Satans (Dschamarat), das Rasieren oder Kürzen der Haare sowie der abschließende Tawaf um die Kaaba. Weltweit stehen diese Tage ganz im Zeichen von Gemeinschaft, Dankbarkeit und Wohltätigkeit.

Eid al-Adha als Feiertag und Bedeutung für Touristen

In Marokko ist Eid al-Adha ein nationaler Feiertag. Rund um dieses Datum stehen öffentliche Ämter, Schulen und Banken in der Regel drei bis vier Tage still, häufig mit einem informellen Brückentag. Für den Alltag im Land bedeutet dies, dass es landesweit zu starkem Reiseverkehr kommt, da viele Marokkaner ihre Familien besuchen. Entsprechend kann es auf Straßen, an Busbahnhöfen und Bahnhöfen recht chaotisch werden.

In touristischen Zentren wie Marrakesch, Agadir oder Essaouira bleiben viele Geschäfte geschlossen. Souks und Märkte sind oft im Märchenschlaf, dagegen sind Hotels und Restaurants eigentlich geöffnet, jedoch oft frühzeitig ausgebucht.

Für Urlauber bietet Eid al-Adha eine außergewöhnliche Atmosphäre. Der Tag beginnt früh am Morgen mit großen Gemeinschaftsgebeten, gefolgt von den traditionellen Schafsschlachtungen, die vielerorts auch im öffentlichen Raum stattfinden. Festliche Kleidung, Familienbesuche und der Duft von gegrilltem Fleisch prägen das Straßenbild. Die Schlachtszenen können für manche Besucher ungewohnt oder verstörend sein. Wer sensibel reagiert, meidet am Vormittag besser Wohnviertel. In den Medinas selbst herrscht hingegen eine besonders herzliche und lebendige Feststimmung.

Aufruf des Königs zum Verzicht auf das Schlachtopfer

Weltweit wird Eid al-Adha traditionell mit dem rituellen Schlachten eines Opfertiers begangen. In Marokko verlief das Opferfest 2025 jedoch anders, denn König Mohammed VI. rief die Bevölkerung auf, auf das Schlachtopfer zu verzichten. Grund dafür waren die anhaltende Dürre und die zunehmend schwierige wirtschaftliche Lage im Land. Denn seit mehreren Jahren leidet Marokko unter extremer Trockenheit, die zu einem massiven Rückgang der Schafbestände geführt hat. In einer Erklärung des Königspalasts hieß es, die aktuellen „klimatischen und wirtschaftlichen Herausforderungen“ machten diesen Schritt notwendig, da das Fest andernfalls insbesondere einkommensschwache Haushalte erheblich belasten würde.

Tatsächlich war die Lage angespannt, denn die Preise für Schafe waren stark gestiegen, und selbst zusätzliche Importe konnten die Kosten kaum senken. Nach Angaben einer staatlichen Behörde hätten die Ausgaben für ein Opfertier bis zu 30 Prozent der jährlichen Fleischkosten eines marokkanischen Haushalts ausgemacht. Für viele Familien wäre das finanziell kaum tragbar gewesen.

In der jüngeren Geschichte Marokkos wurde Eid al-Adha damit bereits zum fünften Mal ohne flächendeckendes Schlachtopfer begangen. Religiös ist dieser Verzicht gut abgesichert, denn im Islam gilt das Opfertier als empfohlene Handlung (Sunna), nicht als zwingende Pflicht, insbesondere wenn wirtschaftliche oder soziale Gründe dagegensprechen.

Wann ist das Opferfest

Da sich der islamische Kalender am Mond orientiert, verschiebt sich der Termin des Opferfests jedes Jahr um etwa elf Tage nach vorne. 

Eid al-Adha (Opferfest): Datum in anderen Jahren

JahrDatum
202627. Mai
202717. Mai
20285. Mai
202924. Apr
203013. Apr
20313. Apr

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