Fünf berühmte Marokkanerinnen, die man kennen sollte

Wenn man an die Menschen in Marokko denkt, kommen einem meist zuerst Sultane, Wesire oder Paschas in den Sinn. Oder Männer mit blauen Turbanen, die ihre Kamelkarawanen würdevoll durch die endlosen Sanddünen der Sahara führen. Sicher, das sind die Männer Marokkos. Aber was ist mit den Frauen? Wo stecken die Heldinnen, die berühmten Frauen des Landes?

Ehrlich gesagt muss man gar nicht lange suchen, um auf eine Vielzahl faszinierender, talentierter und zu Recht berühmter Marokkanerinnen zu stoßen, die im Laufe der Geschichte Unglaubliches geleistet haben. Im Folgenden erfährst du mehr über einige dieser beeindruckenden Frauen und ihre Erfolge. Aber lass dich nicht täuschen, denn diese Liste ist längst nicht vollständig. 

Fatima al-Fihri

Fatima Mernissi, geboren 1940, war eine der führenden Akademikerinnen, Feministinnen und Aktivistinnen Nordafrikas und der arabischen Welt. An Universitäten rund um den Globus gehören ihre Texte zum Standardrepertoire, allen voran das bemerkenswert zugängliche Werk „Beyond the Veil“ (Hinter dem Schleier). Für jeden, der sich für die Situation der Frauen in Marokko interessiert, ist dieses Buch praktisch Pflichtlektüre. Obwohl ihre Forschung bereits Jahrzehnte zurückliegt, wirken die darin enthaltenen Briefe von Männern und Frauen aus ganz Marokko, als wären sie erst letzte Woche geschrieben worden. Die thematisierten Probleme haben sich über die Jahre kaum verändert; wenn überhaupt, sind sie heute sogar noch deutlicher spürbar.

Diese Universität gilt heute als die älteste der Welt. Das Beeindruckende daran? Sie ist bis heute in Betrieb und verleiht seit über tausend Jahren Abschlüsse in Fächern wie Grammatik, Islamwissenschaften, Mathematik und Medizin.

Wenig überraschend beherbergt die Universität auch die wohl älteste Bibliothek der Welt. Die Qarawiyyīn-Bibliothek wurde erst vor Kurzem renoviert. Zu ihren Schätzen zählen ein Koran aus dem 9. Jahrhundert sowie die älteste Hadithen-Sammlung. Zu den berühmtesten Gelehrten, die an Fatimas Universität studierten, gehören unter anderem der Entdecker und Autor Leo Africanus sowie der bedeutende Historiker Ibn Chaldūn.

Es wird erzählt, dass Fatima während der gesamten 18-jährigen Bauzeit der Moschee fastete. Als sie starb, war ihr Lebenswerk bereits seit Jahren ein fester Bestandteil der Stadt. Kein Wunder also, dass sie auch liebevoll „Umm al-Banayn“ genannt wird – die „Mutter der Kinder“ (gemeint sind die Kinder von Fès und ihrer Universität).

Fatima Mernissi

Fatima Mernissi, geboren 1940, war eine der führenden Akademikerinnen, Feministinnen und Aktivistinnen Nordafrikas und der arabischen Welt. An Universitäten rund um den Globus gehören ihre Texte zum Standardrepertoire, allen voran das bemerkenswert zugängliche Werk „Beyond the Veil“ (Hinter dem Schleier). Für jeden, der sich für die Situation der Frauen in Marokko interessiert, ist dieses Buch praktisch Pflichtlektüre. Obwohl ihre Forschung bereits Jahrzehnte zurückliegt, wirken die darin enthaltenen Briefe von Männern und Frauen aus ganz Marokko, als wären sie erst letzte Woche geschrieben worden. Die thematisierten Probleme haben sich über die Jahre kaum verändert. Wenn überhaupt, sind sie heute sogar noch deutlicher spürbar.

Dennoch ist „Beyond the Veil“ nicht ihr bekanntestes Werk. Dieser Titel gebührt dem Buch „Der politische Harem: Mohammed und die Frauen“ (The Veil and the Male Elite). Darin setzt sie sich historisch-kritisch mit den Ehefrauen des Propheten Mohammed auseinander. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wurde das Buch in vielen Ländern, auch in Marokko, verboten und steht in konservativeren islamischen Staaten wie Saudi-Arabien bis heute auf dem Index. Mit diesem 1987 erschienenen Werk festigte Fatima Mernissi ihren Ruf als eine der bedeutendsten islamischen Feministinnen ihrer Generation.

Nach einer glanzvollen Karriere und zahlreichen Auszeichnungen für ihren Kampf um die Rechte und Anerkennung der Frau, insbesondere im Islam, verstarb Fatima Mernissi 2015 in Rabat.

Aïcha Chenna

Aïcha Chenna wurde 1941, mitten im Zweiten Weltkrieg, geboren und es war wohl mehr als nur Zufall, dass sie später Krankenschwester wurde. Ihre Lebensgeschichte ist geprägt von echter Willenskraft. Als sie noch ein Kind war, starb ihr Vater. Ihr Stiefvater wollte später, dass sie mit zwölf Jahren die Schule abbricht, doch ihre Mutter wehrte sich dagegen. Kurzerhand schickte sie Aïcha zu einer Tante nach Casablanca. Dort beendete Aïcha ihre Ausbildung und entschied sich – ermutigt von ihrer Mutter und ihren Freunden – für den Pflegeberuf.

Später arbeitete sie im Gesundheitsministerium, wo sie sich unermüdlich für die Aufklärung der Bevölkerung sowie für ein stärkeres Bewusstsein für Gesundheitsthemen und Hygiene einsetzte. In den 70er-Jahren hatte sie dafür sogar ihre eigene Fernsehsendung.

Ihren eigentlichen Durchbruch (und auch eine gewisse Form von Berüchtigtsein in konservativen Kreisen) verdankt sie jedoch ihrer Arbeit in den 80ern, als sie die Association Solidarité Féminine gründete. Diese NGO war die erste ihrer Art in Marokko. Sie unterstützte alleinstehende Mütter, beriet sie in Gesundheitsfragen und zur Familienplanung und stand Opfern von Gewalt zur Seite. Bis heute stößt diese Organisation in den patriarchalisch geprägten und konservativen Ecken des Landes auf Widerstand.

Für ihren Einsatz wurde Aïcha unter anderem mit dem renommierten Opus Award ausgezeichnet – einem Preis für die „stillen Helden“, die sich drängenden sozialen Problemen widmen. Außerdem ist sie die Autorin des Buches „Miseria: Testimonies“, einer Sammlung von zwanzig Lebensgeschichten von Frauen, die sie über die Jahre begleitet hat. Das Werk erschien ursprünglich auf Französisch. Eine englische (oder deutsche) Übersetzung lässt leider noch auf sich warten. 

Im frankophonen Raum ist Aïcha Chenna längst eine Legende. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis ihre Arbeit als eine der bedeutendsten Marokkanerinnen weltweit noch bekannter wird.

Nawal El Moutawakel

In der arabischen Welt ist Sport weitgehend Männersache. Kraft- und Ausdauersport sowie Wettkämpfe, die Agilität und Schnelligkeit erfordern, gelten traditionell häufig als unpassend für Frauen. Man muss bedenken, dass in konservativen Gesellschaften der Platz der Frau primär im Haus bei den Kindern gesehen wird, vielleicht noch auf dem Feld. Aber definitiv in der Küche. Umso größer war die Überraschung für viele Araber, als die erste Person, die jemals eine olympische Goldmedaille für Marokko gewann, kein Mann war, sondern eine Frau. Kein Wunder, dass sie weltweit zu den bekanntesten Marokkanerinnen überhaupt zählt.

Nawal El Moutawakel, Jahrgang 1962, holte 1984 olympisches Gold. Zu dieser Zeit studierte sie an der Iowa State University. Ihr Sieg versetzte die Welt in Erstaunen, auch in Nordafrika und im Nahen Osten. Schaut man sich jedoch ihre Erfolgsgeschichte mit zahlreichen ersten Plätzen bei internationalen Rennen an – darunter die Afrikameisterschaften 1982 –, hätte dieser Sieg eigentlich niemanden überraschen dürfen.

Heute ist Nawal nach wie vor eine Pionierin für Mädchen und Frauen in einem muslimischen und arabischen Kontext, in dem traditionelle Stereotypen über die Rolle der Frau noch immer präsent sind. 1983 rief sie in Casablanca den ersten „Fun Run“ über 5 Kilometer für Mädchen ins Leben. Heute nehmen jährlich über 30.000 Frauen am größten reinen Frauenrennen der muslimischen Welt teil.

Nawal ist Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees und vertritt Marokko weiterhin als starke Stimme auf der Weltbühne des Spitzensports.

Leila Slimani

Vielleicht ist ihr Name auf dieser Liste ein wenig umstritten, da sie die doppelte Staatsbürgerschaft besitzt (sie ist sowohl Französin als auch Marokkanerin), doch Leila Slimani ist eine absolute Ausnahmestimme. Geboren wurde sie 1981 in Rabat. Nach ihrer Schulzeit zog sie nach Paris, schloss dort ihr Studium ab und arbeitete zunächst als Journalistin. Während sie 2011 über den Arabischen Frühling berichtete, reifte in ihr der Entschluss, Romane zu schreiben.

Heute ist sie vor allem für ihren Roman „Dann schlaf auch du“ (Originaltitel: Chanson douce) weltbekannt. Die Geschichte dreht sich um den Doppelmord an zwei Kindern durch ihr Kindermädchen und ist eine ebenso spannende wie präzise Sezierung des modernen Pariser Bildungsbürgertums. Für dieses Werk wurde sie 2016 unter anderem mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet, dem bedeutendsten Literaturpreis Frankreichs.

Darüber hinaus ist Leila die persönliche Vertreterin von Präsident Emmanuel Macron bei der Internationalen Organisation der Frankophonie. Diese Organisation vertritt Marokko und 88 weitere Mitgliedstaaten, in denen die französische Sprache und Kultur eine zentrale Rolle spielen. Zu ihren weiteren wichtigen Werken zählen „Sex und Lügen“ – eine Sammlung von Interviews mit marokkanischen Frauen, die sie während einer Lesereise führte – sowie der Roman „All das zu verlieren“ (Originaltitel: Adèle). Es ist also kein Wunder, dass sie heute zu den weltweit bekanntesten marokkanischen Frauen zählt.

Autorenbild Schmidt

Joachim Schmidt ist Journalist und Kommunikationswissenschaftler. Seit 2000 ist er jedes Jahr in Marokko unterwegs, zunächst als Backpacker, später als Reisejournalist und heute am liebsten mit der Familie. Dabei verbindet er sein gesammeltes Hintergrundwissen mit großer Leidenschaft für die marokkanische Kultur und Küche. Seinen Tag beginnt er am liebsten mit einem Espresso in einem kleinen Straßencafe in der Medina.

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