Taghazout oder Essaouira?

Die Frage, ob Taghazout oder Essaouira das bessere Reiseziel ist, habe ich mir mehr als einmal gestellt. Beide Orte liegen am Atlantik, bieten Meerblick, frischen Fisch und diesen speziellen Rhythmus, den man in Marokko nur an der Küste findet. Dennoch unterscheiden sich die beiden Ziele in ihrem Charakter grundlegend; ein Unterschied, der erst im direkten Vergleich vor Ort deutlich wird.

Taghazout: Das Mekka der Wellenreiter

Taghazout ist schnell erklärt. Der Ort ist klein, überschaubar und alles dreht sich fast ausschließlich um das Meer. Mein Tag begann dort selten mit einem festen Plan: Man beobachtet morgens die Brandung, checkt die Wellen, trinkt irgendwo einen Kaffee und lässt den Rest entstehen. Das ist perfekt für Reisende, die bewusst aus ihrem getakteten Alltag raus wollen.

Allerdings zeigt sich auch:  Wer nicht surft, hat nach zwei oder drei Tagen das Gefühl, alles gesehen zu haben. Abends ist es ruhig, manchmal fast zu ruhig. Taghazout ist jedoch ein hervorragender Ausgangspunkt für Tagesausflüge. Wenn dir im Ort die Decke auf den Kopf fällt, bist du schnell im Paradise Valley zum Wandern in den Felsenpools, beim Bummeln in Agadir oder für einen Abstecher im entspannten Sidi Kaouki. Sogar ein langer Tagesausflug nach Essaouira ist von hier aus möglich.

Essaouira: Stadt der Künstler und des Windes

Essaouira fühlt sich dagegen schon bei der Ankunft anders als Taghazout an. Es ist eine richtige Hafenstadt mit Werkstätten, Wohnvierteln und einer Medina, die zum Glück nicht nur für Touristen existiert. Hier kann man stundenlang ohne festes Ziel durch die Gassen treiben, in kleinen Läden stöbern oder am Hafen den Fischern beim Flicken ihrer Netze zuschauen.

Das Angebot an Aktivitäten ist hier deutlich breiter. Von Essaouira aus bieten sich Strandwanderungen, Reitausflüge oder actionreiche Quad-Touren an. Wer noch mehr Abgeschiedenheit sucht, macht einen Ausflug ins nahegelegene Sidi Kaouki. Der einzige Haken an Essaouira ist der allgegenwärtige Wind. An manchen Tagen ist er erfrischend, an anderen macht er ein gemütliches Liegen am Strand fast unmöglich.

Essaouira und Taghazout im Überblick

TaghazoutEssaouira
AtmosphäreSurfer-Vibe, minimalistischmaritim-künstlerisch, lebendig
FokusMeer & WellenKultur, Hafen, Medina
Windverhältnissemeist moderathäufig sehr kräftig
AktivitätenSurfen, Yoga, Wanern (Paradise Valley)Sightseeing, Reiten, Quads, Kunst
Umfeldkleines Fischerdorfhistorische Hafenstadt

Eine Entscheidung für ein Lebensgefühl

Man muss wissen, was man will. Taghazout ist das Ziel für Surfer. Wer die Szene sucht und nichts gegen eine gewisse Ereignislosigkeit abseits der Wellen hat, ist hier richtig. Wer hingegen Wert auf Geschichte, kulturelle Vielfalt und ein städtisches Umfeld legt, wird in Essaouira zufriedener sein. Hier findet man das soziale Leben und die historische Tiefe, die in einem reinen Surferort naturgemäß weniger ausgeprägt sind.

Autorenbild Schmidt

Joachim Schmidt ist Journalist und Kommunikationswissenschaftler. Seit 2000 ist er jedes Jahr in Marokko unterwegs, zunächst als Backpacker, später als Reisejournalist und heute am liebsten mit der Familie. Dabei verbindet er sein gesammeltes Hintergrundwissen mit großer Leidenschaft für die marokkanische Kultur und Küche. Seinen Tag beginnt er am liebsten mit einem Espresso in einem kleinen Straßencafe in der Medina.

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