Reisegesundheit in Marokko

Die Planung einer Reise nach Marokko erfordert besondere Aufmerksamkeit gegenüber den spezifischen gesundheitlichen und hygienischen Gegebenheiten vor Ort. Eine gezielte Vorsorge ist daher wichtig, um auf mögliche Notfälle vorbereitet zu sein. Dieser Artikel fasst die wichtigsten Aspekte der Reisegesundheit in Marokko zusammen: empfohlene Impfungen, wirksame Maßnahmen zur Vermeidung und Behandlung von Magen-Darm-Erkrankungen sowie eine kompakte und praxisorientierte Reiseapotheke.

Impfschutz und Prophylaxe

Für Reisende, die direkt aus Europa nach Marokko einreisen, besteht keine obligatorische Impfpflicht. Dennoch sollte der grundlegende Impfschutz vollständig sein.

Dazu gehören:

  • Tetanus, Diphtherie, Pertussis (Keuchhusten)
  • Poliomyelitis (Kinderlähmung)
  • Masern, Mumps und Röteln (MMR)

Darüber hinaus sollten aufgrund der gängigen Übertragungsrisiken in Nordafrika spezifische Reiseimpfungen in Betracht gezogen werden. Hierzu zählt insbesondere die Immunisierung gegen Hepatitis A und Typhus, da beide Erkrankungen typischerweise über kontaminierte Lebensmittel und Wasser übertragen werden.

Die Prüfung und gegebenenfalls die Auffrischung des persönlichen Impfstatus sind dringend anzuraten. Die Konsultation eines Reisemediziners oder Hausarztes zur individuellen Beratung und speziellen Impfungen sollte spätestens vier bis sechs Wochen vor der Abreise erfolgen. Dieser Zeitrahmen ist notwendig, damit die Impfstoffe ihre volle Schutzwirkung zum Reisebeginn entfalten können.

Die gesundheitliche Versorgung in Marokko

Die medizinische Versorgung in Marokko variiert regional deutlich.

Ärzte und Krankenhäuser

In Großstädten wie Agadir, Rabat, Casablanca oder Marrakesch gibt es private Kliniken, deren medizinische und technische Standards häufig mit westeuropäischen Einrichtungen vergleichbar sind. Viele der dort tätigen Ärztinnen und Ärzte verfügen über eine europäische Ausbildung und beherrschen europäische Sprachen, weshalb diese privaten Einrichtungen die primäre Anlaufstelle für ausländische Touristen sind.

Im Gegensatz dazu ist die medizinische Versorgung im ländlichen Raum und in kleineren Orten einfacher und entsprechend eingeschränkter. Bei ernsten Erkrankungen ist dort in der Regel ein schneller Transport in eine der städtischen Privatkliniken oder, je nach Schweregrad, ein spezialisierter Rücktransport anzustreben.

Medikamentenversorgung

Das Apothekennetz (Pharmacies) ist in den urbanen Gebieten Marokkos gut ausgebaut. Gängige Medikamente sowie Hygieneartikel sind dort meist verfügbar, während spezielle Präparate nicht immer vorrätig sein können.

Aus diesem Grund sollten sämtliche regelmäßig einzunehmenden Medikamente in ausreichender Menge aus der Heimat mitgebracht werden. Es empfiehlt sich zudem, diese Präparate auf das Hand- und das Check-in-Gepäck aufzuteilen. Zur Vermeidung von Komplikationen, insbesondere bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln, ist außerdem das Mitführen einer ärztlichen Bescheinigung über die Notwendigkeit der Einnahme ratsam.

Prophylaxe gegen Reisekrankheiten

Reisedurchfall ist die häufigste gesundheitliche Beeinträchtigung bei Reisen nach Marokko. Die konsequente Beachtung hygienischer Grundregeln senkt das Risiko aber deutlich.

Wasser- und Lebensmittelhygiene

Die Übertragung von Keimen erfolgt meist über kontaminiertes Wasser oder Lebensmittel. Hierbei ist die klassische Faustregel „Cook it, peel it, or forget it“ strikt zu beachten.

  • Rohe Salate, ungeschältes Obst, ungekochte Saucen sowie Eis aus fragwürdigen Quellen meiden.
  • Ausschließlich abgepacktes, versiegeltes Flaschenwasser trinken (auch zum Zähneputzen).
  • Eiswürfel und frische Säfte unbekannter Herkunft meiden.
  • Nur durchgegarte Speisen essen.
  • Rohe Salate, ungeschältes Obst, ungekochte Saucen sowie Eis aus fragwürdigen Quellen meiden.

Persönliche Hygiene

Die strikte Einhaltung der persönlichen Hygiene, insbesondere der Handreinigung, ist ein wichtiger Bestandteil der Vorbeugung. Regelmäßiges und gründliches Händewaschen mit Seife, insbesondere vor jeder Mahlzeit und nach dem Toilettenbesuch, ist unerlässlich.

Zusätzlich erleichtert ein Handdesinfektionsmittel die Hygiene unterwegs und sollte stets griffbereit sein.

Akutbehandlung bei Durchfall in Marokko

Tritt während der Marokko-Reise eine Magen-Darm-Infektion auf, heißt es zunächst: Ruhe bewahren. Die wichtigste Akutmaßnahme ist der Ausgleich des durch den Durchfall verursachten erheblichen Verlusts an Flüssigkeit und Elektrolyten. Erwachsene sollten hierfür mindestens drei Liter Flüssigkeit pro Tag zu sich nehmen, idealerweise ergänzt durch ein Elektrolyt-Pulver.

Auf reizende Substanzen wie Kaffee, Nikotin, Alkohol, Milchprodukte oder fettige Speisen sollte vorübergehend unbedingt verzichtet werden, um den Magen nicht zusätzlich zu belasten. Als sanfte Unterstützung kann die in den Souks erhältliche Zitronenverbene (Louisa) als aufgebrühter Tee zur Linderung von Verdauungsbeschwerden beitragen.

Mittel wie Loperamid (z. B. Imodium akut) können kurzfristig hilfreich sein, sollten jedoch nicht die primäre Behandlung ersetzen. Sie sind nützlich, wenn eine Weiterreise unumgänglich ist, da sie den drängenden Durchfall kurzfristig stoppen. Generell ist es ratsam, einen Ort mit gesichertem Toilettenzugang aufzusuchen, um sich auszukurieren.

Sobald die Beschwerden abklingen, kann die Nahrungsaufnahme wieder behutsam aufgenommen werden. Dabei sollte man mit Schonkost wie trockenem Brot, Zwieback oder gekochten Möhren beginnen. Insbesondere der tägliche Verzehr von ein bis zwei Bananen ist empfehlenswert, da diese leicht verdaulich sind und zum Wiederherstellen des Elektrolythaushalts beitragen.

Die Reiseapotheke für Marokko

Die Reiseapotheke sollte für Marokko ausreichend bestückt sein, da die Verfügbarkeit gewohnter Präparate vor Ort eingeschränkt sein kann. Folgende Ausstattung hat sich bewährt:

Unverzichtbare Produkte
Magen & DarmElektrolyt-Pulver (ORL), Loperamid (Stoppmittel), Kohletabletten, Mittel gegen Übelkeit/Erbrechen
Schmerz & FieberParacetamol/Ibuprofen, Fieberthermometer
Wundversorgungalkoholfreies Wunddesinfektionsspray, sterile Pflaster, Blasenpflaster, sterile Kompressen, Wund- und Heilsalbe
Haut & SonneSonnenschutz (hoher LSF), Insektenabwehrmittel (DEET oder Icaridin), Mittel gegen Insektenstiche (Antihistamin-Gel), Mittel gegen Sonnenbrand
Persönlichesbenötigte Dauermedikamente, Allergietabletten, ärztliche Bescheinigungen für verschreibungspflichtige Arzneimittel, Handdesinfektionsmittel

Besonderheiten bei Reisen mit Kindern

Kinder sind aufgrund ihrer körperlichen Eigenschaften anfälliger für bestimmte Reisekrankheiten und Umwelteinflüsse. Die Vorsorge muss daher besonders konsequent erfolgen. Dies betrifft insbesondere die Handhygiene.

Die Gefahr der Dehydratation bei Durchfall oder Hitze ist bei Kindern deutlich erhöht. Daher muss auf eine konstante Flüssigkeitszufuhr geachtet werden. Im Falle einer Magen-Darm-Erkrankung ist sofort mit der Gabe altersgerechter Elektrolytlösungen zu beginnen, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen.

Zudem benötigen Kinder konsequenten Schutz vor intensiver UV-Strahlung (durch Hut, Kleidung und Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor). Ferner muss strikt vermieden werden, dass Kinder Kontakt mit streunenden Tieren aufnehmen, um das Tollwutrisiko auszuschließen.

Die Kinder-Reiseapotheke muss stets altersgerecht dosierte Präparate (etwa gegen Fieber und Schmerzen) sowie den Impfausweis enthalten.

Auslandsreisekrankenversicherung für Marokko

Der Abschluss einer privaten Auslandsreisekrankenversicherung ist für Reisen nach Marokko zwingend erforderlich, da die deutsche gesetzliche Krankenversicherung dort keine Gültigkeit hat.

Wesentliche Gründe sind:

  1. Vorkasse und Kostenkontrolle: Private Kliniken in Marokko verlangen für Behandlungen in der Regel Vorkasse. Eine entsprechende Versicherung deckt diese Kosten ab und kann den Prozess vor Ort erleichtern.
  2. Medizinischer Rücktransport: Die wichtigste Leistung ist die Abdeckung der Kosten für einen medizinisch notwendigen oder sinnvollen Rücktransport nach Deutschland. Ohne Versicherung können die Kosten für einen solchen Transport extrem hoch ausfallen.

Bei der Wahl des Anbieters sollte explizit auf die Bedingungen für den Rücktransport geachtet werden. Idealerweise sollte dieser nicht nur bei absoluter Unmöglichkeit der Behandlung vor Ort, sondern bereits bei medizinischer Sinnhaftigkeit der Verlegung nach Deutschland erfolgen. Die Auslandsreisekrankenversicherung der HanseMerkur beispielsweise deckt beides ab. 

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