Hassan-Turm

Der Hassan-Turm (arabisch ṣaumaʿat Ḥassān) in Rabat ist ein unvollendetes Bauwerk der almohadischen Architektur am Bou-Regreg-Fluss mit Blick auf den Atlantik. Der 44 Meter hohe Turm steht auf der Esplanade des Quartiers Hassan, umgeben von den Resten einer nie fertiggestellten Moschee, die einst als größte der islamischen Welt geplant war. Heute zählt er zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten Rabats.

Baugeschichte und Kontext

Der Bau des Hassan-Turms begann um 1195 unter Kalif Yaʿqūb al-Mansūr, einem Enkel des Reichsgründers Abd al-Mu’min. Er entwickelte Rabat von einer Grenzfestung zu einer Residenzstadt.

Die geplante Moschee sollte in erster Linie eine repräsentative Funktion für sein Herrschaftsgebiet erfüllen, das sich von al-Andalus bis nach Libyen erstreckte. Sie sollte Platz für 50.000 Gläubige bieten und wäre damit größer als die Mezquita von Córdoba geworden. Ihr Bau umfasste 312 Säulen und 112 Pfeiler. Drei Innenhöfe sollten die Belüftung gewährleisten. Ein verbreitertes Mittelschiff und ein dreifaches Querschiff sollten die innere Raumordnung des Gebetssaals gliedern.

Doch mit dem Tod al-Mansūrs im Jahr 1199 kam das Vorhaben zum Stillstand, denn sein Nachfolger, Muhammad an-Nāṣir, war mit dem Kampf gegen die christlichen Reiche im Zuge der Reconquista beschäftigt. Der anschließende Niedergang des Almohadenreiches führte schließlich zu einem Bedeutungsverlust Rabats.

Das Erdbeben von 1755 zerstörte die Moschee weitgehend und beerdigte die ambitionierten Pläne. Nur die Säulenstümpfe blieben erhalten. Die Ruine lag nach dem Erdbeben weitgehend brach. Das änderte sich erst,  als Rabat 1912 zur Kolonialhauptstadt und nach der Unabhängigkeit Marokkos 1956 schließlich zur offiziellen Hauptstadt des Landes wurde. Seit 1971 steht das Mausoleum Mohammeds V. in unmittelbarer Nachbarschaft zum Turm.​ 1995 wurde der Komplex in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.

Architektonische Merkmale des Hassan-Turms

Der quadratische Sandsteinturm folgt mit seinen inneren Rampen für Muezzin und Sultan der Tradition maghrebinischer Minarette. Diese waren für die damalige Zeit unglaublich hoch. Der Muezzin musste dort fünfmal täglich hinaufsteigen, was anstrengend und zeitaufwendig war. Dank der Rampen im Inneren konnte er für den Aufstieg zur Spitze Reittiere wie Esel oder Pferde einsetzen.

Der Sockel des Hassan-Turms ist schlicht gehalten. Der mittlere Schaft zeigt Blendbögen in Hufeisenform, flankiert von Eckschächten. Die Fassade verbindet die für die Almohaden-Dynastie typischen geometrischen Muster mit kalligrafischen Inschriften und ornamentalen Bögen. Die Ruinen der Moschee umschließen den Turm wie ein antikes Theater.​ Der warme Sandstein bildet einen Kontrast zum weißen Marmor der umliegenden Säulenstümpfe.

Kunsthistorisch steht der Hassan-Turm in der Linie der Giralda von Sevilla und der Koutoubia von Marrakesch.

Besichtigung des Hassan-Turms und praktische Informationen 

Der Hassan-Turm liegt im Norden des Stadtzentrums von Rabat, direkt am Ufer des Bou-Regreg-Flusses, gegenüber der Altstadt von Salé. Er gehört zu einer großen historischen Anlage mit einem weitläufigen Platz und mehreren Sehenswürdigkeiten, darunter das Mausoleum Mohammeds V.

Anreise vom Zentrum

Vom Stadtzentrum (z. B. rund um die Avenue Mohammed V) erreichst du den Hassan-Turm problemlos:

  • Zu Fuß: je nach Startpunkt ca. 20–30 Minuten
  • Tram: Linie T1 oder T2 bis Tour Hassan
  • Taxi: kurze Fahrt, günstig und unkompliziert

Eintritt & Öffnungszeiten

Die Außenanlage ist tagsüber frei zugänglich und der Eintritt ist kostenlos. Für einen Rundgang solltest du 20–40 Minuten einplanen.

Autorenbild Schmidt

Joachim Schmidt ist Journalist und Kommunikationswissenschaftler. Seit 2000 ist er jedes Jahr in Marokko unterwegs, zunächst als Backpacker, später als Reisejournalist und heute am liebsten mit der Familie. Dabei verbindet er sein gesammeltes Hintergrundwissen mit großer Leidenschaft für die marokkanische Kultur und Küche. Seinen Tag beginnt er am liebsten mit einem Espresso in einem kleinen Straßencafe in der Medina.