Maison de la Photographie
Das Maison de la Photographie in Marrakesch zeigt die Entwicklung Marokkos durch das Objektiv der frühen Fotografie. In den Ausstellungsräumen sind Aufnahmen zu sehen, die Marrakesch und das ländliche Marokko zwischen 1870 und 1950 dokumentieren. Diese Bilder zeigen einen Alltag, der heute weitgehend verschwunden ist.
Das Museum liegt in einem restaurierten Riad im Nordosten der Medina, in der Nähe der Medersa Ben Youssef. Es wurde 2009 eröffnet, um historische Sammlungen in ihrem ursprünglichen Kontext zugänglich zu machen. Die Gründung geht auf die Initiative von Patrick Menac’h und Hamid Mergani zurück. Beide hatten zuvor unabhängig voneinander Bestände an Vintage-Fotografien aufgebaut und führten diese in der gemeinsamen Galerie zusammen.

Die Sammlung und ihre thematischen Schwerpunkte
Das Archiv umfasst rund 8.000 Originalfotografien, 2.000 Glasnegative sowie historische Postkarten. Die Ausstellung ist chronologisch über drei Etagen gegliedert. Sie zeigt Straßenszenen der Medina, von Gerbern und Händlern sowie den damaligen Viehmarkt. Ein Schwerpunkt liegt auf der Kultur der Amazigh. Fotografien aus dem Hohen Atlas halten Alltagsszenen und Traditionen fest, die den Beginn der Moderne überdauerten.
Die Auswahl vereint Arbeiten namhafter Fotografen wie George Washington Wilson und Marcelin Flandrin mit Werken unbekannter Chronisten. Neben Stadtansichten von Marrakesch umfasst die Sammlung architektonische Studien, Aufnahmen der archäologischen Stätte Volubilis sowie Porträtreihen aus verschiedenen Landesteilen.

Ergänzt wird die statische Ausstellung um filmische Dokumente. Im Obergeschoss läuft unter anderem der erste Farbfilm Marokkos, den Daniel Chicault 1957 drehte. Er zeigt das Leben der Berberstämme im Atlasgebirge.
Ein separater Bereich widmet sich zudem der baulichen Instandsetzung des Museumsgebäudes. Während die historischen Bestände den konzeptionellen Kern bilden, nutzt das Haus seine Räumlichkeiten auch zur Präsentation zeitgenössischer marokkanischer Fotokunst, wodurch eine Verbindung zur aktuellen Kulturszene entsteht.

Lohnt sich ein Besuch im Maison de la Photographie?
Die Bilder machen den Wandel der marokkanischen Gesellschaft greifbar. Einzelne Motive lassen sich heute noch im Stadtbild wiederfinden: So zeigt ein Foto von 1926 bereits das Apothekenschild am Djemaa el Fna, das dort noch immer hängt.
Der Besuch bietet sich an, wenn man ohnehin bei der Medersa Ben Youssef unterwegs ist oder ein grundsätzliches geschichtliches Interesse hat.
Praktische Informationen zum Maison de la Photographie in Marrakesch
Für den Rundgang sind etwa ein bis zwei Stunden einzuplanen. Das Museum liegt in der Rue Bin Lafnadek, nur wenige hundert Meter von der Medersa Ben Youssef entfernt. Wer vom Djemaa el-Fna kommt, folgt der Beschilderung zur Koranschule und geht ab dort geradeaus weiter, bis das Riad auf der linken Seite sichtbar wird.
Wer die gesamte Ausstellung abläuft, erreicht früher oder später die Dachterrasse. Dort werden Getränke, Snacks, Tagine und Gebäck sowie ein Tagesmenü angeboten. Sie bietet außerdem einen guten Ausblick über die Dächer der Medina auf die schneebedeckten Gipfel des Hohen Atlas.
Im Eingangsbereich können Abzüge und Postkarten der Exponate erworben werden.
- Öffnungszeiten: täglich von 9:30 — 19:00 Uhr
- Eintritt: 80 DH (kostenlos für Jugendliche unter 16 Jahren)
- Besonderheit: Das Ticket berechtigt zu mehreren Besuchen während des Aufenthalts in Marrakesch.
Informationen zu aktuellen Ausstellungen finden sich auf der offiziellen Webseite.
Ein wunderbarer Ort um einen Einblick in die marokkanische Geschichte und Kultur der letzten 100 Jahre in sehr anschaulicher Form zu bekommen.