Le Jardin Secret

Inmitten der Medina von Marrakesch liegt der auch als „Secret Garden“ bezeichnete Jardin Secret. Das Areal blickt auf eine Geschichte zurück, die im 16. Jahrhundert unter der Saadier-Dynastie begann. Lange Zeit dem Verfall preisgegeben, wurde die Anlage zwischen 2008 und 2016 aufwendig restauriert und ist seither für die Öffentlichkeit zugänglich.

Geschichte und Wiederentdeckung des Jardin Secret

Der ursprüngliche Palast entstand unter einem hochrangigen Vertreter der Saadier, als Marrakesch im 16. und 17. Jahrhundert eine zentrale Rolle als Herrschaftssitz einnahm. Nach dem Machtverlust der Dynastie verwilderten die Gärten und die Bausubstanz litt, bis ein lokaler Gouverneur (Kaid) das Anwesen im 19. Jahrhundert wieder aufbauen ließ.

Acht Jahre lang wurde das Areal unter der Leitung des Architekten Tommaso Giunchi und des Landschaftsarchitekten Karim El Achak rekonstruiert, bis es seine heutige Gestalt erhielt. Ziel der Arbeiten war es, die traditionellen Strukturen der marokkanisch-islamischen Gartenkunst originalgetreu abzubilden. Der Name „Le Jardin Secret“ verweist auf die Wiederentdeckung dieser verborgenen Strukturen in der dicht bebauten Altstadt.

Architektur und Symbolik

Die Anlage gliedert sich in zwei Gartenbereiche, die unterschiedliche botanische und kulturelle Ansätze verfolgen.

Der islamische Garten

Dieser Bereich folgt dem klassischen Chahar-Bagh-Prinzip, dem viergeteilten Garten. Ein zentrales Brunnenbecken bildet dabei den Schnittpunkt zweier Achsen, die das Areal in symmetrische Quadrate gliedern. Diese Geometrie verweist auf die Paradiesvorstellungen der islamischen Kunst, in denen Wasserläufe die Welt ordnen. Stuckelemente und Zellij-Mosaike an den Begrenzungen ergänzen die strengen Linien der Bepflanzung.

Der exotische Garten

Im Gegensatz zur strengen Symmetrie des islamischen Teils versammelt der exotische Garten Pflanzen aus verschiedenen Kontinenten. Bei der Neugestaltung durch Samir Kachmar wurden Arten wie australischer Eukalyptus, madagassische Palmen und südafrikanische Aloen mit mediterranen Olivenbäumen und Bougainvillea kombiniert.

Wasserversorgung über das Khettara-System

Eine technische Besonderheit der Anlage ist die Nutzung des traditionellen Khettara-Systems. Dabei handelt es sich um ein historisches Netz aus unterirdischen Kanälen, das Schmelzwasser aus dem Hohen Atlas bis ins Stadtzentrum von Marrakesch leitet. Im Pavillon der Anlage veranschaulichen Modelle die Funktionsweise dieser Schwerkraftbewässerung, die ohne Pumpen auskommt und seit Jahrhunderten die Gärten mit Quellwasser speist.

Der Aussichtsturm 

Der 17 Meter hohe Turm des Secret Garden wurde ursprünglich als privater Aussichtsturm für den Palastbesitzer errichtet. Von der oberen Plattform aus reicht die Sicht über die Dächer der Medina bis zum Atlasgebirge. Besonders in den Abendstunden nutzen Besucher den Turm, um die Altstadt im tiefstehenden Sonnenlicht zu fotografieren. Der Aufstieg ist gegen einen Aufpreis möglich.

Gastronomie und Museum

Innerhalb der Anlage befinden sich zwei Cafés, von denen eines über eine Dachterrasse verfügt. Das Angebot umfasst landestypische Getränke wie Minztee sowie Gebäck und kleine Speisen. Ein Museumspavillon dokumentiert zudem die Geschichte der Medina, die Hintergründe der aufwendigen Restaurierung des Gartens sowie die symbolischen Aspekte der islamischen Gartenarchitektur.

Ein angeschlossener Laden führt marokkanisches Kunsthandwerk, darunter Keramiken, Arganölprodukte und Metallarbeiten. Praktische Informationen zum Jardin Secret

Lage 

Der Jardin Secret liegt an der Rue Mouassine im nördlichen Teil der Medina von Marrakesch. Er bietet einen ruhigeren Rückzugsort als der oft stark frequentierte Jardin Majorelle und lässt sich gut in einen Rundgang durch das Mouassine-Viertel integrieren.

Öffnungszeiten

30 Minuten vor Ende der Öffnungszeit ist Einlassschluss.

  • März bis September: 09:30 – 19:30 Uhr
  • Februar und Oktober: 09:30 – 18:30 Uhr
  • November bis Januar: 09:30 – 18:00 Uhr

Eintritt

  • Erwachsene: 100 DH (Turm: + 40 DH)
  • Jugendliche (bis 24 Jahre): 80 DH
  • Marokkanische Staatsbürger: 50 DH
  • Eintritt frei: Kinder unter 12 Jahren sowie Besucher mit Behinderung und deren Begleitperson.

Barrierefreiheit

Die Gartenwege sind weitgehend ebenerdig und für Rollstuhlfahrende passierbar. Der Aussichtsturm des Secret Garden ist jedoch nur über Treppen zugänglich.

Weitere Hinweise

Den Gästen stehen eine Gepäckaufbewahrung, WLAN sowie sanitäre Anlagen mit Wickelmöglichkeit zur Verfügung. Das Pflücken von Blumen und Pflanzen ist im gesamten Garten untersagt.

Autorenbild Schmidt

Joachim Schmidt ist Journalist und Kommunikationswissenschaftler. Seit 2000 ist er jedes Jahr in Marokko unterwegs, zunächst als Backpacker, später als Reisejournalist und heute am liebsten mit der Familie. Dabei verbindet er sein gesammeltes Hintergrundwissen mit großer Leidenschaft für die marokkanische Kultur und Küche. Seinen Tag beginnt er am liebsten mit einem Espresso in einem kleinen Straßencafe in der Medina.