Dar-Si-Said-Museum

Das Dar Si Saïd ist das älteste Museum in Marrakesch. In einem Palais aus dem späten 19. Jahrhundert zeigt die Ausstellung Exponate der marokkanischen Handwerkskunst und Volkskunde. 

Das Gebäude in der südlichen Medina, nahe dem Maison Tiskiwin, gehörte ursprünglich Si Said, dem Bruder des Großwesirs Ba Ahmed. 1932 wurde das Anwesen unter dem französischen Protektorat in ein Museum umgewandelt. Nach Sanierungen in den Jahren 1978 und 2008 folgte 2017 eine erneute Überarbeitung. Seither liegt der inhaltliche Schwerpunkt auf dem Nationalen Museum für Weberei und Teppiche.

Die prächtigen Räume zeigen aufwendige Holzarbeiten und Mosaiken, die für die Palastarchitektur jener Epoche stehen. Die verzierten Zedernholzdecken und der Innenhof mit seinen Brunnenanlagen sind die baulichen Höhepunkte des Komplexes, in dem die gezeigten Gebrauchsgegenstände mit der repräsentativen Palastbauweise verknüpft werden.

Aktueller Hinweis

Beim schweren Erdbeben im September 2023 erlitt das Gebäude schwere Schäden. Das Museum Dar Si Saïd ist derzeit für Restaurierungsarbeiten geschlossen. Vor einem geplanten Besuch empfiehlt sich eine aktuelle Prüfung der Wiedereröffnung.

Die Architektur des Palais Dar Si Saïd

Das zweistöckige Gebäude aus dem späten 19. Jahrhundert weist architektonische Parallelen zum nahegelegenen Bahia-Palast auf, ist jedoch erheblich kleiner dimensioniert. Die Anlage gliedert sich in mehrere Innenhöfe mit Gärten. Diese Bauweise ist charakteristisch für die marokkanische Palastarchitektur und dient der Belüftung sowie der räumlichen Gliederung in verschiedene Gebäudetrakte.

Im Erdgeschoss befinden sich die repräsentativen Säle. Hier sind Zellij-Mosaiken, geschnitzte Zedernholzdecken und Stuckarbeiten erhalten, die den handwerklichen Standard der Bauzeit dokumentieren. Diese Räume wurden primär für den Empfang von Gästen genutzt.

Das Obergeschoss beherbergte die privaten Wohnräume des Besitzers. Die Gestaltung ist hier im Vergleich zu den Prunkräumen schlichter. Die Organisation dieser Etage lässt Rückschlüsse auf die Struktur eines aristokratischen Haushalts zu. Durch den Gegensatz zwischen den öffentlichen Empfangsbereichen unten und den funktionalen Wohnbereichen oben spiegelt das Gebäude die soziale Hierarchie und Lebensweise der damaligen Elite wider.

Die Sammlung des Dar-Si-Said-Museums

Der Bestand des Museums konzentriert sich auf die materielle Kultur der Amazigh sowie auf städtische Handwerkstraditionen. Die Exponate decken verschiedene Lebensbereiche ab und umfassen Keramik, Waffen, Musikinstrumente und Schmuck aus mehreren Jahrhunderten. 

Im Gegensatz zu rein höfischen Sammlungen liegt das Augenmerk hier auf Gebrauchsgegenständen und auf regionaler Identität.

Einen Schwerpunkt bilden Objekte aus Holz und Stein. Dazu zählen massive, geschnitzte Türen aus ehemaligen Speicherburgen (Agadiren) des Anti-Atlas, die die historische Vorratsarchitektur und die ländliche Baukultur Südmarokkos veranschaulichen.

Das Brunnenbecken von Córdoba

Das bedeutendste Einzelstück der Sammlung ist ein steinernes Brunnenbecken aus dem Jahr 1000. Es wurde im spanischen Córdoba gefertigt und befand sich jahrhundertelang in der Medersa Ben Youssef, bevor es ins Museum überführt wurde.

Das Becken gilt als seltenes Beispiel für figürliche Darstellungen in der islamischen Kunst jener Epoche und als Verbindung zwischen der Kunst aus Al-Andalus und der aus Marokko. Während seine Längsseiten mit komplexen floralen Ornamenten und Arabesken versehen sind, zeigen die Schmalseiten zwei Adler mit ausgebreiteten Schwingen.

Teppiche und Webkunst

Seit der Neuausrichtung im Jahr 2017 ist das Dar Si Saïd das nationale Museum für Weberei und Teppiche. Die Ausstellung zeigt die regionalen Unterschiede der marokkanischen Textilkunst. Die Stücke sind nach Herkunft sortiert und repräsentieren sowohl die knüpftechnischen Traditionen des Hohen Atlas als auch die urbanen Muster aus den Regionen um Rabat und Fès.

Lohnt sich ein Besuch im Musée Dar Si Saïd?

Das Dar Si Saïd bietet eine sachliche Auseinandersetzung mit der marokkanischen Alltagskultur und verzichtet auf moderne Inszenierungen. Die Stärke des Hauses liegt in der Verbindung von der Architektur des Komplexes und den ausgestellten Objekten. 

Der Besuch des Museums empfiehlt sich, wenn man handwerkliche und historisch verankerte Perspektiven auf Marrakesch sucht. Besonders die Kombination aus den prunkvollen Sälen im Erdgeschoss, dem seltenen Brunnenbecken aus Córdoba und der umfassenden Teppichsammlung lohnt die Besichtigung. Man sollte etwa eine Stunde Zeit einplanen, um die Architektur ohne Zeitdruck auf sich wirken zu lassen.

Im Dar-Si-Said-Museum herrscht im Gegensatz zum oft überlaufenen Bahia-Palast eine deutlich ruhigere Atmosphäre.

Praktische Informationen

Lage

Das Museum befindet sich in der südlichen Medina in der Rue Derb Si Saïd. Vom Djemaa el-Fna aus ist das Gebäude in etwa zehn Minuten zu Fuß erreichbar. Der Weg führt über die Straße Riad Zitoun el Jdid, von der aus das Museum ausgeschildert ist. 

In unmittelbarer Nähe liegt das Maison Tiskiwin, das man bei dieser Gelegenheit ebenfalls besichtigen kann.

Barrierefreiheit und Sprache

Das Erdgeschoss des Museums Dar Si Saïd ist weitgehend mit dem Rollstuhl befahrbar, während das Obergeschoss nur über Treppen zugänglich ist. 

Die Beschilderung der Exponate ist überwiegend auf Arabisch und Französisch verfasst, teilweise ergänzt durch englischsprachige Texte.

  • Eintritt: 30 DH für Erwachsene, 10 DH für Kinder unter 12 Jahren.
  • Öffnungszeiten: Mi–Mo von 09:00 bis 16:45 Uhr (dienstags geschlossen).
Autorenbild Schmidt

Joachim Schmidt ist Journalist und Kommunikationswissenschaftler. Seit 2000 ist er jedes Jahr in Marokko unterwegs, zunächst als Backpacker, später als Reisejournalist und heute am liebsten mit der Familie. Dabei verbindet er sein gesammeltes Hintergrundwissen mit großer Leidenschaft für die marokkanische Kultur und Küche. Seinen Tag beginnt er am liebsten mit einem Espresso in einem kleinen Straßencafe in der Medina.