Legzira Beach: Marokkos legendäre Felsenküste

Zwischen Mirleft und Sidi Ifni erstreckt sich mit Legzira ein Küstenabschnitt, der zu den bekanntesten Zielen Marokkos zählt. Der acht Kilometer lange Sandstrand verdankt seinen Ruf vor allem den massiven und rötlich leuchtenden Felsformationen, die aus der Steilwand ragen und Legzira regelmäßig einen Platz in den Listen der weltweit schönsten Strände sichern.

Die Gezeiten haben hier über Jahrtausende hinweg gewaltige Öffnungen in das Gestein gewaschen, die bei Ebbe den Weg für einen Spaziergang unter den massiven Bögen freigeben. Wer direkt unter dem roten Stein steht, begreift die Ausmaße dieser Naturdenkmäler erst richtig, merkt aber gleichzeitig, wie vergänglich diese Landschaft ist. Im Jahr 2016 stürzte einer der größten Bögen völlig unvorhersehbar ein und hinterließ nur einen Trümmerhaufen aus rotem Sandstein. Der verbliebene Bogen trotzt zwar weiterhin der Brandung, wirkt aber im Vergleich zur rohen Gewalt des Atlantiks inzwischen fast zerbrechlich.

Trotz dieser Berühmtheit hat sich die Bucht ihren rauen Charakter bewahrt, da große Hotelanlagen hier gänzlich fehlen. Stattdessen finden sich direkt am Fuß der Klippen nur wenige kleine Pensionen und Restaurants, die den Tourismus überschaubar und persönlich halten. Sobald die Tagesgäste am späten Nachmittag abgereist sind, kehrt eine tiefe Ruhe ein. Der Strand ist zudem weitläufig genug, dass man selbst in den besucherstarken Monaten problemlos einen einsamen Platz im Sand findet.

Die Atmosphäre bleibt windig und wild, ganz so wie es für die südliche Atlantikküste typisch ist. In Legzira gibt es keine befestigten Wege oder Promenaden, sodass sich das Erlebnis auf das Zusammenspiel von Wasser, Fels und Sand reduziert. Auch nach dem Verlust eines der Wahrzeichen bleibt die Kulisse im tiefstehenden Abendlicht einer der stärksten Eindrücke, die diese Region zu bieten hat.

Einsturz des zweiten Felsentores am Legzira Beach 

Bis September 2016 war Legzira für zwei gewaltige Tore bekannt, die kurz hintereinander aus der Steilwand ragten. Die jahrtausendelange Erosion durch den Atlantik forderte schließlich ihren Tribut, als einer der beiden Bögen im Herbst 2016 in sich zusammenbrach. Heute liegen an seiner Stelle nur noch rote Gesteinstrümmer am Ende der Bucht, die von der Kraft des Meeres zeugen.

Trotz dieses Verlustes hat der Strand an Anziehungskraft nichts verloren. Ein zweiter, ebenso gewaltiger Bogen steht weiterhin fest im Wasser und bildet das Herzstück der Kulisse. Wer nicht nur für das Panorama kommt, findet am Legzira Beach zudem genug Raum für Aktivitäten wie Wellenreiten, Paragliding oder Quad-Touren entlang der Klippen. Die Magie des Ortes bleibt also bestehen, auch wenn die Natur ihre Gestalt verändert hat.

Unterkünfte am Legzira Beach und Umgebung

Vom Parkplatz oberhalb der Klippen führt eine Treppe direkt hinunter zum Strand von Legzira, wo sich das Leben in einer Handvoll kleiner Betriebe abspielt. Direkt am Meer liegen einige Cafés und Restaurants, die vor allem für ihren frisch gegrillten Fisch bekannt sind und den Blick auf die Brandung freigeben. Da es in der Bucht selbst keine Läden gibt, müssen Einkäufe und Besorgungen vorab in den größeren Nachbarorten Mirleft oder Sidi Ifni erledigt werden.

Die Auswahl an Unterkünften ist begrenzt und konzentriert sich auf wenige Häuser, die meist sehr einfach und familiär geführt werden. Wer die Nacht direkt am Wasser verbringen möchte, findet in der Auberge Sable D’Or, im Hotel Beach Club Legzira oder im Hotel Pieds dans l’Eau Zimmer mit direktem Blick auf den Atlantik. Neben diesen Herbergen gibt es vor Ort auch einen kleinen Surfshop, der Ausrüstung für die rauen Wellen der Region verleiht. Wer hier übernachtet, erlebt die Bucht am frühen Morgen und späten Abend fast menschenleer, wenn die Tagesgäste wieder abgereist sind.

Auberge Sable D’Or
Hotel Beach Club Legzira
Kasbah Legzira

Aktivitäten in Legzira

Die Bucht lässt sich am besten bei einer Wanderung entlang der Steilküste erkunden. Von der Häusergruppe aus dauert der Weg in Richtung Süden etwa eine halbe Stunde, bis man das verbliebene Felsentor und die Trümmer des eingestürzten Bogens erreicht. Dieser Spaziergang ist nur bei Ebbe möglich, da das Wasser bei Flut bis direkt an die Felswand reicht und den Durchgang versperrt.

In den Abendstunden färbt das Licht die roten Klippen besonders intensiv. Zu dieser Zeit sieht man oft lokale Angler, die auf den Felsvorsprüngen ihre Ruten auswerfen. Die Windverhältnisse an der acht Kilometer langen Bucht bieten zudem konstante Bedingungen für das Wellenreiten. Wer die Landschaft von oben sehen möchte, nutzt die Thermik an den Kanten für Paragliding-Flüge oder erkundet die Klippenwege mit dem Quad.

Ausflüge in die Umgebung von Legzira

Sollte es in der Abgeschiedenheit von Legzira zu ruhig werden, bieten sich die beiden benachbarten Küstenorte Sidi Ifni und Mirleft für einen Tagesausflug an.

Sidi Ifni (ca. 10 km entfernt)

Die Stadt stand bis 1969 unter spanischer Verwaltung, was die Architektur bis heute prägt. Weiß gekalkte Häuser mit blauen Türen und zahlreiche Art-Déco-Bauten aus den 1930er Jahren geben dem Ort ein spanisch-marokkanisches Gesicht. Zu den markanten Gebäuden zählen die alte Admiralität, der Leuchtturm, der Gouverneurspalast sowie die ehemalige Kathedrale, in der heute das Gericht untergebracht ist. Die Esplanade verläuft oberhalb der Küste und dient als Aussichtspunkt über den Atlantik.

Mirleft

Mirleft ist deutlich kleiner und ruhiger als die bekannten Küstenstädte Agadir oder Essaouira. Der Ort ist für seine versteckten Buchten bekannt, die oft nur über steile Pfade erreichbar sind. Ein Ziel für einen Rundgang ist die Festungsruine Fort Tidli, die auf einer Klippe über dem Dorf steht und den Blick über den gesamten Küstenstreifen freigibt. Zudem dient Mirleft als Ausgangspunkt für Touren zu den kleinen Oasen, die sich im trockenen Hinterland entlang der Flusstäler verbergen.

Anreise zum Legzira Beach

Die Anreise von Agadir aus führt über Tiznit in Richtung Süden nach Sidi Ifni, wobei man für die Strecke mit dem Auto etwa drei Stunden einplanen sollte. Die Route über die hochgelegene Küstenstraße bietet bereits während der Fahrt weite Ausblicke auf den Atlantik. Wer von Mirleft kommt, fährt etwa zwanzig Minuten südlich, während die Anfahrt von Sidi Ifni aus nur eine knappe Viertelstunde in nördlicher Richtung dauert. Ein Schild an der Hauptstraße weist den Weg zur Bucht, an deren Ende ein bewachter Parkplatz oberhalb der Klippen liegt.

Für Reisende ohne eigenes Fahrzeug bieten sich die Busse zwischen Tiznit und Sidi Ifni an. Man kann den Fahrer bitten, an der Abzweigung nach Legzira zu halten, von wo aus ein etwa ein Kilometer langer Fußweg hinunter zum Strand führt. Eine sportliche Alternative ist die Wanderung direkt von Sidi Ifni aus, die bei zügigem Tempo knapp zwei Stunden dauert. Dieser Weg führt teils über Klippen und teils direkt am Wasser entlang, erfordert jedoch zwingend, auf die Gezeiten zu achten. Da einige Abschnitte bei Flut unpassierbar sind und die Route Trittsicherheit erfordert, sollte man diesen Pfad nur bei Ebbe und mit festem Schuhwerk wählen.

Autorenbild Schmidt

Joachim Schmidt ist Journalist und Kommunikationswissenschaftler. Seit 2000 ist er jedes Jahr in Marokko unterwegs, zunächst als Backpacker, später als Reisejournalist und heute am liebsten mit der Familie. Dabei verbindet er sein gesammeltes Hintergrundwissen mit großer Leidenschaft für die marokkanische Kultur und Küche. Seinen Tag beginnt er am liebsten mit einem Espresso in einem kleinen Straßencafe in der Medina.