Erfoud: Verwaltungszentrum und Tor zur Wüste

Erfoud liegt am Fluss Ziz auf einer Höhe von 802 Metern und gilt als wichtiger Zugangsort zu den Sanddünen des Erg Chebbi. Anders als viele gewachsene Orte der Region ist das Stadtbild stark von der französischen Kolonialzeit geprägt. Die Siedlung wurde 1917 als Militärbasis angelegt, um die strategische Lage im Grenzgebiet zu Algerien zu sichern und die nomadischen Stämme der Umgebung zu kontrollieren. Noch heute beherbergt die Stadt eine bedeutende Garnison.

Architektonisch unterscheidet sich Erfoud von älteren marokkanischen Siedlungen durch seine rechtwinklige Anordnung sowie die Verwendung von rotem Sandstein und Kalk. Die hohen Mauern und eng zusammenstehenden Häuser dienten ursprünglich dem Schutz vor Angriffen. Das gesellschaftliche Leben konzentriert sich am Abend an den Achsen der Avenues Mohammed V und Moulay Ismail, wo zahlreiche Cafés zu finden sind.

Schnelle Fakten zu Erfoud

RegionDrâa-Tafilalet
Einwohnerzahlca. 23.600
SpracheDarija, Tachelhit, Französisch
WährungMarokkanischer Dirham (MAD)
ZeitzoneUTC+1 (MEZ)

Wirtschaft und Fossilien

Ein wesentlicher Wirtschaftszweig der Region ist die Gewinnung und Verarbeitung von Fossilien. Vor etwa 350 Millionen Jahren war das Gebiet von Meeren bedeckt, was zu fossilreichen Kalksedimenten aus dem Devon führte. Südöstlich der Stadt wird das Gestein in Steinbrüchen abgebaut. In lokalen Werkstätten verarbeiten Handwerker das Material zu polierten Platten, die für die Herstellung von Tischen, Waschbecken und Gebrauchsgegenständen verwendet und weltweit exportiert werden.

Zusätzlich zur Industrie spielt der Handel eine große Rolle. In den Souks von Erfoud werden regionale Produkte wie frische Datteln aus den umliegenden Palmenhainen, Oliven sowie Berberhandwerkskunst angeboten.

Sehenswürdigkeiten und Architektur

  • Ksar Maadid: Etwa fünf Kilometer nördlich liegt dieses befestigte Dorf. Es gilt als eines der größten seiner Art in der Region und ist für seine Architektur mit engen Gassen bekannt.
  • Borj Est: Dieser Aussichtspunkt auf einem Hügel östlich der Stadt bietet einen Überblick über das Ziz-Tal, die Oasen und die Stadtstruktur.
  • Königspalast: In der Nähe von Erfoud befindet sich ein königlicher Palast, der als einziges Bauwerk dieser Art direkt am Rand der Sahara liegt.
  • Filmkulisse: Aufgrund der umliegenden Dünenlandschaft diente die Umgebung von Erfoud bereits mehrfach als Drehort für internationale Kinoproduktionen.

Übernachtung

Erfoud verfügt über eine gut ausgebaute touristische Infrastruktur, da der Ort als Ausgangspunkt für Fahrten nach Merzouga dient. Unterkünfte wie das La Rose Du Desert (Booking.com) bieten Reisenden einen Standard, der auf die Bedürfnisse von Individual- und Gruppenreisenden zugeschnitten ist. Die umliegenden Palmenhaine bieten zudem schattige Plätze, die seit jeher von Karawanen als Erholungsraum genutzt wurden.

Anreise

Die Stadt ist über gut ausgebaute Nationalstraßen erreichbar. Die Anfahrt erfolgt meist aus nördlicher Richtung über die Stadt Errachidia durch das Ziz-Tal oder aus westlicher Richtung von Tinejdad kommend. Aufgrund der flachen Wüstenlandschaft ist die Orientierung unkompliziert.

Autorenbild Schmidt

Joachim Schmidt ist Journalist und Kommunikationswissenschaftler. Seit 2000 ist er jedes Jahr in Marokko unterwegs, zunächst als Backpacker, später als Reisejournalist und heute am liebsten mit der Familie. Dabei verbindet er sein gesammeltes Hintergrundwissen mit großer Leidenschaft für die marokkanische Kultur und Küche. Seinen Tag beginnt er am liebsten mit einem Espresso in einem kleinen Straßencafe in der Medina.