Mausoleum von Mohammed V.
Das Mausoleum von Mohammed V. in Rabat gehört zwar zu den jüngeren, aber dennoch zu den kunsthistorisch bedeutendsten Monumentalbauten Marokkos. Es markiert den Übergang vom kolonial beherrschten Sultanat zum selbstbewussten Nationalstaat unter der Alaouiten-Dynastie und wurde 2012 als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt.
Das Mausoleum wurde von Mohameds Sohn, König Hassan II., nach dem Tod seines Vaters, Mohammed V., im Jahr 1961 in Auftrag gegeben. Es sollte eine nationale Gedenkstätte als Grabmal errichtet werden.
König Hassan II. betraute den aus Vietnam stammenden Architekten Cong Vo Toan mit der Planung. Sein Entwurf führte klassische Motive marokkanischer Palast‑ und Sakralarchitektur mit moderner Statik und Betonbauweise zusammen. Die Bauarbeiten dauerten rund zehn Jahre und wurden 1971 abgeschlossen. An der Ausführung waren mehr als 400 marokkanische Handwerker beteiligt.
Bauweise und Gestaltung des Mausoleums
Das Mausoleum liegt am Rand der weiten Esplanade von Yacoub al‑Mansour, unmittelbar neben dem unvollendeten Hassan‑Turm aus dem 12. Jahrhundert. Seine Lage über dem Wasser und in der Achse historischer Herrschaftsbauten lässt den Komplex wie eine antike Akropolis erscheinen.
Architektonisch handelt es sich beim Mausoleum um einen klar proportionierten, nahezu kubischen Baukörper mit einer Grundfläche von etwa 1.500 Quadratmetern, der auf einer etwa 3,5 Meter hohen Plattform ruht. Die tragende Struktur besteht aus Stahlbeton. Sämtliche sichtbaren Flächen wurden mit feinem weißen italienischen Marmor verkleidet. Ein pyramidenförmiges, vollständig mit grünen Ziegeln gedecktes Dach krönt das Bauwerk.

Die Fassadengestaltung des Mausoleums folgt streng der Logik der marokkanischen Palastarchitektur. An allen vier Seiten öffnen sich große Hufeisenbögen. Teilweise sind diese mit fein durchbrochenen Steinbalustraden ausgestattet, die an Mashrabiyya‑Holzerker angelehnt sind. Darüber verläuft ein breites Band aus skulptiertem Stuck mit Sebka‑Muster im Stil der Almohaden‑ und Marinidenbauten. Unterhalb des Dachansatzes zieht sich ein Kranz aus stalaktitenartigen Dekorformen, der dem Bau einen filigranen, fast schwebenden Abschluss verleiht.
Die Portale sind mit überdimensionierten Bronzetüren versehen, deren Oberflächen dicht mit geometrischer Ornamentik und kalligrafischen Inschriften überzogen sind. Sie enthalten zumeist Koranverse und Lobpreisungen Mohammeds V.
Eine von Galerien umgebene Halle führt in den Innenraum, in dem Mosaike und fein modellierter Stuck mit floralen und geometrischen Motiven die Wände zieren. Eingelassene arabische Schriftbänder und geschnitzter Gips ergänzen die ornamentale Gestaltung.
Die Grabkammer
In der Mitte des Mausoleums befindet sich eine tiefer gelegene Grabkammer, die von der umlaufenden Galerie herab einsehbar ist. In ihrem Zentrum steht der Sarkophag Mohammeds V. aus weißem Onyx, sowie Scheingräber (Kenotaphe) der Söhne Hassan II. und Prinz Moulay Abdallah. Um die Grabzone herum stehen schlanke Marmorsäulen mit fein gearbeiteten Kapitellen.
Über der Grablege spannt sich eine Deckenkonstruktion aus Zeder und Mahagonit, kombiniert mit Goldeinfassungen und buntem Glas. Durch die Öffnungen im Dach und die Farbverglasungen fällt das Tageslicht in den Raum auf den Sarkophag, der auch nachts künstlich beleuchtet wird.

Kunsthistorisch ist das Mausoleum eine Synthese traditioneller Elemente. Der pyramidenförmige Dachstuhl nimmt die Ikonografie der nordafrikanischen Kuppel‑ und Grabarchitektur auf. Sebka‑Dekor und Muqarnas‑Friese verweisen auf almoravidisch‑almohadische Wurzeln. Die Zellij, die geschnitzten Zedernholzdecken und die vergoldeten Stuckfelder erlauben Vergleiche mit der Medersa Bou Inania in Fès und der Medersa Ben Youssef in Marrakesch. Sie sind jedoch in einer freistehenden, klar axialsymmetrischen Mausoleumsform angeordnet.
Lage des Mausoleums und praktische Tipps für den Besuch
Das Mausoleum Mohammed V. gehört zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten Rabats und liegt direkt auf der weitläufigen Hassan-Esplanade, unmittelbar neben dem Hassan-Turm. Durch die offene Anlage lässt sich der Besuch ganz unkompliziert in einen Stadtspaziergang integrieren und zum Beispiel mit der Kasbah der Oudaïa und der Medina von Rabat verbinden.
Der Eintritt ist kostenlos und die Anlage ist für Nichtmuslime zugänglich. Für den Besuch sollte man etwa 15–30 Minuten einplanen. Das Mausoleum ist Grabstätte und Andachtsort. Eine dezente Kleidung, die Schultern und Knie bedeckt, wird empfohlen. Fotografieren ist sowohl auf der Esplanade als auch im Innenraum erlaubt, sollte jedoch respektvoll erfolgen.
Anreise vom Stadtzentrum
- zu Fuß ca. 20–30 Minuten (z. B. ab Avenue Mohammed V)
- mit der Tram (T1 oder T2) bis Tour Hassan
- per Taxi in wenigen Minuten
Öffnungszeiten
- Werktags: ca. 8:00 – 18:00 Uhr
- Wochenende: ca. 8:15 – 17:45 Uhr