Die perfekte Tajine kaufen

Willkommen in der faszinierenden Welt des Tajine-Kochens! Dieses Jahrtausende alte marokkanische Kochgeschirr ist weit mehr als nur ein Topf. Mit seiner einzigartigen konischen Form ermöglicht es eine besonders schonende Garmethode, bei der die Zutaten im eigenen Saft geschmort und ihre Aromen, Vitamine und Nährstoffe bewahrt werden. Das Ergebnis sind unvergleichlich zarte Fleisch-, Fisch- und Gemüsegerichte, die reich an Geschmack, Nährstoffen und Textur sind.

Doch bei der Suche nach dem perfekten Kochgefäß stehst du vor einer wichtigen Frage: Welche Tajine ist die richtige für dich? Diese Seite soll dir bei der Entscheidung helfen. Du erfährst mehr über die unterschiedlichen Materialien sowie Lebensmittelechtheit und erhältst wertvolle Tipps zur Kompatibilität von Tajines mit modernen Herden.

Tajine-Materialien und ihre Eigenheiten

Die Wahl des Materials ist der wichtigste Faktor beim Kauf einer Tajine (auch Tagine). Jede Variante hat spezifische Eigenschaften, die den Kochprozess, den Geschmack und die Haltbarkeit maßgeblich beeinflussen.

Die Urform: Tajine aus Naturlehm und unglasierter Keramik

Die ursprünglichste Form ist die Tajine aus naturbelassener Lehmerde oder Ton. Durch die traditionelle „Niedrigtemperatur-Brennweise“ ist der Lehm frei von Schwermetallen und extrem hitzebeständig.

Das eigentliche Geheimnis liegt in ihrer porösen Struktur und der konischen Form des Deckels. Beim langsamen Erhitzen verdampft die Flüssigkeit im flachen Boden, steigt als Wasserdampf im Deckel nach oben, kühlt dort ab und kondensiert. Das kondensierte Wasser tropft kontinuierlich zurück in den Topf und bastiert die Zutaten mit ihren eigenen Kochsäften. Dieser geschlossene Garkreislauf sorgt für die unverkennbare Zartheit und den vollen Geschmack der Gerichte. Die poröse Beschaffenheit des Tons nimmt im Laufe der Zeit die Aromen der Speisen auf und gibt ihnen einen subtilen, erdigen Geschmack, der mit jedem Gebrauch intensiver wird.  

Kefta-Tagine
Tagine mit Sardinen-Kefta und Zitrone (Foto: Riads Marrakesch)

Bevor du mit einer traditionellen Tajine kochen kannst, bedarf es einer sorgfältigen Vorbereitung. Die poröse Oberfläche muss vor dem ersten Gebrauch gewässert und „eingekocht“ werden, um Risse zu vermeiden und die Poren zu versiegeln. Das Wässern  Einölen und Erhitzen des Topfes ist ein kleines Ritual, dessen Aufwand sich lohnt, denn mit der Zeit entwickelt sich eine dunkle, natürliche Patina, die nicht nur eine Antihaftschicht bildet, sondern auch ein sichtbares Zeichen der Qualität und der langjährigen Nutzung ist. Eine gut gepflegte Tajine wird durch den Gebrauch immer schöner und besser.  

Vor- und Nachteile von unglasierten Ton-Tajines

VorteileNachteile
authentischer, traditioneller Lookeinmaliges Einkochen (Einbrennen) notwendig
poröser Lehm nimmt Flüssigkeit auf und gibt sie gleichmäßig zurückempfindlich gegenüber zu hoher oder ungleichmäßiger Hitze – Gefahr von Rissen
frei von Glasuren, daher keine Sorge um Schadstoffemuss vor jedem Einsatz gewässert werden
geeignet für Holzkohlefeuer – authentisches Kocherlebnisnicht auf allen Elektroherden einsetzbar
oft günstiger in der AnschaffungReinigung nur ohne Spülmittel möglich

Wässern und Einkochen: Vorbereiten einer unglasierten Tajine

Bevor du mit einer traditionellen Ton-Tajine kochst, braucht sie eine sorgfältige Vorbereitung. Dieser Schritt schützt das empfindliche Material und verbessert die Koch­eigenschaften.

Wässern
  • Spüle die Tajine vor dem ersten Gebrauch gründlich ab.
  • Lege sie für 2–3 Stunden vollständig in kaltes Wasser. Kleine Bläschen zeigen, wie der Ton Flüssigkeit aufnimmt.
  • Wiederhole das Wässern auch später vor jedem Gebrauch, ähnlich wie beim Römertopf. Dadurch bleibt der Lehm geschmeidig und widerstandsfähig gegen Hitze.
Einkochen

Dieser Vorgang ist nur einmal – vor der ersten Nutzung – notwendig.

  • Reibe die Innenseite großzügig mit einem hitzebeständigen Pflanzenöl (z. B. Sonnenblumen- oder Rapsöl) ein.
  • Erhitze die Tajine langsam über ca. 20 Minuten. Geh behutsam vor, sonst kann der Ton reißen.
  • Gib zum Schluss ein paar Zwiebelscheiben hinzu und brate sie kurz an. Das Öl verschließt die Poren und bildet eine natürliche Schutzschicht.
  • Lasse die Tajine vollständig abkühlen – danach ist sie einsatzbereit.

Mit der Zeit entwickelt die Oberfläche eine dunkle Patina, die wie eine Antihaftbeschichtung wirkt und den Geschmack der Gerichte zusätzlich vertieft.

Die moderne Alternative: Glasierte Tajines und Spezialkeramik

Moderne Tajines aus Keramik werden oft mit einer Glasur überzogen. Dies hat den Vorteil, dass sie sich leichter reinigen lassen und die Aromen der Speisen nicht so stark annehmen, was sie vielseitiger macht. Anders als unglasierte Modelle benötigen sie in der Regel kein aufwendiges Wässern und Einkochen vor dem ersten Gebrauch, da ihre Poren bereits versiegelt sind. 

Renommierte Marken wie Emile Henry verwenden eine spezielle „Flame Ceramic“, die eine hohe Hitzebeständigkeit aufweist und unempfindlich gegenüber Temperaturschocks ist.  

Trotz ihrer Pflegeleichtigkeit ist Vorsicht geboten, denn die Glasur kann bei unsachgemäßem Gebrauch, etwa durch zu hohe oder plötzliche Hitze, Risse bekommen. Die scheinbare Einfachheit der Pflege kann sich also bei falscher Handhabung in einen Nachteil verwandeln. 

Der robuste Allrounder: Tajines aus Gusseisen

Tajines aus Gusseisen sind die robusteste und pflegeleichteste Variante. Sie besitzen eine ausgezeichnete Wärmeleitfähigkeit und speichern die Hitze sehr lange, wodurch eine gleichmäßige und energieeffiziente Garung sichergestellt wird. Ein großer Vorteil ist, dass du den Gusseisen-Boden direkt für das scharfe Anbraten von Fleisch und Gemüse nutzen kannst, bevor du die Tajine zum Schmoren bringst. Dies ist bei traditionellen Tontöpfen nicht möglich und verleiht den Gerichten eine zusätzliche, kräftige Geschmacksnote.  

Emaillierte Gusseisen-Tajines, wie die von Le Creuset und Staub, sind extrem langlebig, schnittfest und oft sogar spülmaschinenfest. Ihre hohen Anschaffungskosten stehen in direktem Zusammenhang mit ihrer extremen Langlebigkeit und Funktionalität. Sie stellen eine langfristige Investition dar, die über Generationen halten kann, ohne die Nachteile der Bruchanfälligkeit oder der aufwendigen Pflege, wie es bei traditionellen Modellen der Fall ist. 

Gesundheit geht vor: Das unsichtbare Risiko der Glasur

Ein oft übersehener, aber entscheidender Aspekt beim Tajine kaufen ist die Sicherheit der Glasur. Insbesondere bei preiswerten Keramik-Tajines, die nicht von bekannten Marken stammen, kann die Glasur Schwermetalle wie Blei und Cadmium enthalten. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt, dass diese Stoffe, insbesondere durch saure Lebensmittel wie Tomaten oder Zitronensaft, aus der Keramik herausgelöst werden und in die Nahrung übergehen können.

Das BfR hat festgestellt, dass die Bleiaufnahme durch unsicheres Geschirr die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Höchstmengen erheblich überschreiten kann. Blei und Cadmium sind als reproduktionstoxisch (schädlich für die Fortpflanzung) und krebserregend eingestuft. Vor allem für Kinder stellt dies eine zusätzliche und vermeidbare Gesundheitsbelastung dar.  

Tajine kaufen und sicher sein: Wie du lebensmittelechte Produkte erkennst

Um sicherzustellen, dass deine Tajine unbedenklich ist, solltest du auf die Herstellerangaben „bleifrei“ und „lebensmittelecht“ achten. In Deutschland und der EU gibt es keine einheitlichen, klar definierten Siegel für die Lebensmittelechtheit von Kochgeschirr, wie es sie beispielsweise für Bio-Lebensmittel gibt. Daher basieren die meisten Angaben auf freiwilligen Selbstverpflichtungen der Hersteller.  

Dies bedeutet, dass du als Konsument auf das Vertrauen in die Marke angewiesen bist. Der Kauf bei renommierten, transparenten Herstellern, die ihre Fertigungsprozesse oder Zertifizierungen offenlegen (z. B. durch ein beiliegendes „Zertifikat-Etikett“ ), bietet eine höhere Sicherheit als der Kauf eines Noname-Produkts, selbst wenn dieses mit „bleifrei“ beworben wird.  

Tajine auf Induktionsherd, Gasherd und im Ofen

Die Frage nach der Kompatibilität mit dem eigenen Herd ist für viele Käufer entscheidend. Die gute Nachricht: Eine Tajine kann auf fast jeder Wärmequelle verwendet werden – du musst nur wissen, welche Modelle sich für deinen Herd eignen.

Der Induktions-Check: Welche Tajine ist kompatibel?

Tajines aus Gusseisen sind nativ induktionsfähig, da ihr magnetisches Material direkt mit dem Induktionskochfeld interagiert. Auch Modelle aus Spezialkeramik, wie einige Serien von Emile Henry, sind explizit für die Verwendung auf Induktionsherden konzipiert.  

Traditionelle Tajines aus Ton oder Keramik hingegen funktionieren ohne ein zusätzliches Hilfsmittel nicht auf einem Induktionskochfeld.  

Die smarte Lösung: Die Induktionsadapterplatte

Für alle, die eine traditionelle Ton- oder Keramik-Tajine auf einem Induktionsherd verwenden möchten, gibt es eine einfache und effektive Lösung: die Induktionsadapterplatte. Diese flache Metallplatte aus rostfreiem Edelstahl oder Aluminium wird zwischen das Kochfeld und den Tajine-Boden gelegt.  

Die Platte wandelt das Magnetfeld des Induktionsherdes in Wärme um und verteilt diese gleichmäßig an das Kochgefäß. Dies schützt den empfindlichen Ton vor zu starker, direkter Hitze und ermöglicht es dir, die authentischen Garergebnisse einer traditionellen Tajine auch in einer modernen Küche zu genießen. 

Die passende Größe der Tajine

Beim Kauf einer Tajine spielen nicht nur das Material, sondern auch die richtige Größe eine Rolle. Der Durchmesser entscheidet darüber, wie viele Portionen sich darin zubereiten lassen.

Die Orientierung nach Personenzahl

DurchmesserGeeignet für
20–22 cm1 Person oder kleine Beilagen
25–27 cm2 Personen
28–30 cm3–4 Personen
32–34 cm4–5 Personen
35–36 cm5–6 Personen
40 cm und größerab 7 Personen, große Familien oder gesellige Runden

Tipp: Wenn du häufiger für Gäste kochst, solltest du eher zur nächstgrößeren Variante greifen. Für den Alltag reicht meist eine Tajine mit 28–32 cm Durchmesser. 

Fazit: Deine Kauf-Checkliste

Bevor du deine neue Tajine kaufst, nutze diese Checkliste, um die richtige Wahl zu treffen:

  1. Material: Triff eine bewusste Entscheidung zwischen der Tradition von Ton (zarter Geschmack, mehr Aufwand) und dem Komfort von Gusseisen (Robustheit, einfache Pflege).
  2. Kompatibilität: Prüfe die Eignung für deinen Herd. Wenn du Induktion hast, entscheide, ob du eine nativ kompatible Tajine oder eine traditionelle Variante mit einem Induktionsadapter verwenden möchtest.
  3. Sicherheit: Achte auf die Angaben „bleifrei“ und „lebensmittelecht“ und vertraue auf renommierte Marken, die transparente Informationen zu ihren Produkten liefern.
  4. Pflegeaufwand: Überlege, ob du bereit bist, die Zeit für das Wässern und Einkochen zu investieren, oder ob du ein pflegeleichtes, modernes Modell bevorzugst.
  5. Fassungsvermögen: Wähle die passende Größe für deine Bedürfnisse.

Unabhängig davon, für welches Modell du dich entscheidest, der Kauf einer Tajine ist der Beginn eines kulinarischen Abenteuers. Lass dich auf die jahrtausendealte Kochkunst Marokkos ein und genieße die außergewöhnlichen, aromatischen Gerichte, die du damit zaubern wirst.

Autorenbild Schmidt

Joachim Schmidt ist Journalist und Kommunikationswissenschaftler. Seit 2000 ist er jedes Jahr in Marokko unterwegs, zunächst als Backpacker, später als Reisejournalist und heute am liebsten mit der Familie. Dabei verbindet er sein gesammeltes Hintergrundwissen mit großer Leidenschaft für die marokkanische Kultur und Küche. Seinen Tag beginnt er am liebsten mit einem Espresso in einem kleinen Straßencafe in der Medina.