Palast El Badi

Der Palast El Badi war einst die größte und prächtigste Palastanlage Marokkos. Vom Prunk der Saadier ist zwar nicht viel geblieben, doch lassen sich in den Ruinen noch die Dimensionen des Herrschaftssitzes erahnen. Außerdem verbirgt sich im El Badi noch ein besonders lohnenswertes Ziel. 

Ende des 16. Jahrhunderts ließ der saadische Sultan Ahmed el Mansour den Palast El Badi (französisch: Palais El Badi)  im Süden der Medina bauen. Leider überlebte die prachtvolle Anlage die nachfolgende Dynastie der Alaouiten nicht. Deren Sultan Moulay Isma’il ließ 1696 große Teile des Palasts abtragen, um die kostbaren Materialien nach Meknes zu bringen und dort seine Ville Impériale, ein zweites Versailles, aufzubauen. Vom El-Badi-Palast blieben nur noch die Grundmauern zurück.

El Badi Palast in Marrakesch

Die Störche sind zum Sinnbild des El-Badi-Palasts geworden

Das weitläufige Areal wird durch ein großes Wasserbecken und kleinere angelegte Gärten strukturiert. Man kann die früheren Gewölbe in Augenschein nehmen, von denen zwar einige vormals als Diensträume genutzt wurden, die meisten jedoch als Kerker für Gefangene dienten. Auf dem Gelände des El Badi wird weiterhin die erhaltene Minbar, die einst in der Koutoubia-Moschee stand, ausgestellt. Die hölzerne Gebetskanzel wurde 1137 im spanischen Cordoba gebaut — an ihr zeigt sich die präzise Pracht des maurisch-andalusischen Kunsthandwerks. Wer mehr über die Restaurierung der Minbar erfahren will, liest den Artikel Conservation of the Koutoubia Minbar: A short story of an epic in Marrakech (PDF-Dokument, 0,5MB).

Auf den großen Lehmmauern, die den Palast El Badi vom Rest der Stadt abgrenzen und die heute noch mehr oder weniger gut erhalten sind, nisten seither viele Störche. Die anmutigen Vögel sind zum Sinnbild des Platzes geworden und geben mehreren Cafés und Restaurants auf der anderen Seite der Mauern ihren Namen.

Störche El-Badi Palast Marrakesch

Geheimtipp im El Badi: Marrakech Museum for Photography and Visual Arts

Im El-Badi-Palast befindet sich auch das Marrakech Museum for Photography and Visual Arts (MMP). Zunächst noch als Zwischenlösung in zwei Räumen im Süden der Anlage untergebracht, soll bis 2016 für das MMP auf dem Gelände des El Badi ein architektonisch beeindruckender Neubau entstehen. In den beiden derzeit genutzten Ausstellungsräumen gibt es schon jetzt Arbeiten zeitgenössischer marokkanischer Fotografen sowie diverse Sonderausstellungen zu sehen, unter anderem von Eve Arnold. Zudem findet jedes Jahr im Juni das Marrakesch Folklore Festival im El Badi statt.

mmp-marrakesch-museum

Fazit

Wer hinter dem Palast El Badi einen prunkvollen Herrschaftssitz, kostbare Marmorsäulen, feingliedrige Stuck- und Fliesenarbeiten erwartet, wie man sie in den Saadier-Gräbern, im Bahia-Palast oder in der Medersa Ben Youssef sehen kann, wird von den Ruinen enttäuscht werden. Wieso der Palast trotzdem einen Besuch wert ist? Zunächst beeindruckt die großzügige Weite der Anlage, erst recht im Kontrast zur engen Medina. Im großen Patio herrscht friedliche Ruhe. Aufgrund der Größe der Anlage verteilen sich die Besucher sehr gleichmäßig, so dass es nicht überlaufen ist. Die fast 900 Jahre alte Minerba ist sehenswert, aber noch empfehlenswerter ist das MMP, das mit seinen gut kuratierten Ausstellungen ein echter Geheimtipp ist!

Standort:

Der Palast El Badi befindet sich in der südlichen Medina, der Eingang befindet sich beim Place des Ferblantiers. Ein Großteil der Anlage inklusive Patio, Minerva und dem MMP kann mit dem Rollstuhl befahren werden.

Öffnungszeiten:

Der Palast El Badi ist täglich von 8.45–12.45 Uhr und 14.30–18.00 Uhr geöffnet.

Eintritt

Der Eintritt in den El Badi kostet 10 DH. Für den Zutritt zum Ausstellungsraum der Minerba benötigt man ein Extraticket, das ebenfalls 10 DH kostet.

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