Erfahrungsbericht: Kochkurs im Amal Women’s Training Center Marrakesch

Das Amal Women’s Training Center ist nicht nur ein soziales Vorzeigeprojekt, sondern auch ein hervorragendes Restaurant. Obwohl viele Köche den Brei verderben sollen, werden dort auch Kochkurse angeboten. Erfahrungsbericht eines leidenschaftlichen Hobbykochs.

Vor etwa einem halben Jahr wurde auf diesem Blog bereits das hervorragende Restaurant des Amal Women’s Training Center empfohlen. Hinter dem Projekt steckt eine Non-Profit-Organisation, die sozial benachteiligte Frauen bei ihrer beruflichen Entwicklung unterstützt und in Lohn und Brot bringen will. Die teilnehmenden Frauen arbeiten mit fünfzehn Angestellten und zwölf ehrenamtlichen Helfern zusammen und erfahren eine gastronomische Ausbildung, die unter anderem marokkanische und internationale Küche, Service, französische Sprache mit Schwerpunkt Tourismus sowie Praktika in Riads und Restaurants umfasst.

kochkurs amal marrakesch

(Foto: Riad Marrakesch, 2015)

Im Amal Center werden an sechs Tagen in der Woche Kochkurse angeboten, bei denen man die Zubereitung von Couscous, Tagine oder Pastilla erlernen kann. Die Kochkurse werden wahlweise auf Arabisch, Französisch, Englisch und Spanisch durchgeführt und kosten pro Person 200 DH. Bei der besser früher als später zu erledigenden Online-Anmeldung gibt man den Wunschtermin und die passende Sprache an und kann aus einer Liste von acht Gerichten auswählen, was im Laufe des Kochkurses in der Tagine landen soll. Danach erhält man eine Bestätigung per E-Mail mit einer sehr guten Wegbeschreibung zu dem etwas versteckt gelegenen Amal Center.

Kochkurs in traditioneller marokkanischer Küche

Meine Begleiter und ich einigten uns auf zwei marokkanische Gerichte, deren Zubereitung wir erlernen wollten: eine Hühnchen-Tagine mit Oliven und eingelegten Zitronen sowie eine Lamm-Tagine mit Pflaumen. Der Kochkurs begann mit einer kurzen Begrüßungsrunde, in deren Verlauf die für uns verantwortliche Oumaima das Amal Projekt vorstellte und über die Lebenssituation sozial benachteiligter Frauen in Marokko aufklärte. Dann ging es endlich los.

In einer schattigen Ecke des Gartens waren bereits Kochstelle und Arbeitsplatz vorbereitet, um die sich die insgesamt acht Kochschüler versammelten. Zunächst wurden verschiedene Kräuter und Gewürze gereicht, dann die Zwiebeln und das Fleisch geschnitten und mariniert. Anschließend verschwanden die Zutaten unter den prüfenden Blicken der Köchin in der Tagine, die auf die frisch entfachten Feuerstellen gestellt wurden. Die Vorbereitung der Hühnchen-Tagine ging relativ schnell und unspektakulär von der Hand, während die Zubereitung der Lamm-Tagine und insbesondere der getrockneten Pflaumen aufwendiger, aber dafür auch lehrreicher war.

kochkurs amal women trainingscenter

(Foto: Riad Marrakesch)

Es vergingen etwa 90 Minuten, bis die beiden Tagines vom Feuer genommen und zusammen mit frischem Fladenbrot serviert wurden. Diese Wartezeit verkürzte Oumaima mit weiteren Erzählungen über die jüngsten Erfolge des Amal Projekts und beantwortete viele Fragen. Dann wurden die frisch gekochten Gerichte probiert. Kurzgesagt: sie schmeckten hervorragend und ließen keine Wünsche offen. Der großzügig ausgeschenkte Minztee tat sein Übriges. Zum Abschluss übergab Oumaima allen Teilnehmern jeweils ein Rezept eines Gerichts und servierte leckeres Dessert. Die Zeit verging wie im Flug und nach vier Stunden war der Kochkurs um 14 Uhr beendet.

Fazit: Kochkurs im Amal Women’s Training Center

Der Kochkurs im Amal Center richtet sich vor allem an Neulinge der marokkanischen Küche, die hier einen groben Überblick über die Zubereitung traditioneller Gerichte gewinnen können. Da einige Arbeitsschritte bereits vorbereitet wurden und insgesamt betrachtet verhältnismäßig wenig zu tun war, lernte man während des Kurses relativ wenig über das eigentliche Kochen und die damit verbundenen Techniken, zum Beispiel die marokkanische Art, Zwiebeln zu schneiden. Der Fokus lag eher auf den verwendeten Gewürzen und Zutaten. Trotzdem ließen sich ein paar Kniffe abgucken und wenn Fragen aufkamen, wurden diese auch geduldig beantwortet.

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Wer gerne zusammen mit einem Koch durch die Souks streifen und ihn vor dem eigentlichen Kurs beim Einkaufen der Lebensmittel begleiten möchte, ist hier an der falschen Adresse und sollte sich für einen anderen (und leider auch teurerern) Kochkurs entscheiden. Dafür erhält man im Amal Center, das sich teilweise über diese Kurse finanziert, einen Einblick in die Arbeit des sozialen Projekts und lernt zwanglos marokkanische Frauen in ihrem Arbeitsalltag kennen. Das Geld ist also gut angelegt, das Essen hervorragend und die Stimmung bestens, so dass dieser Kochkurs auch als interkulturelle Erfahrung empfohlen werden kann. Amal ist übrigens das arabische Wort für Hoffnung.

Mehr Infos:

Dieser Artikel entstand für die Blogparade „Marrakesch – Reisetipps und Geschichten aus 1001 Nacht“ von Escape from Reality.

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