Gayfriendly: Marrakesch für Schwule und Lesben

Als schwules Paar in ein islamisches Land fahren und dort gemeinsam den Zauber von 1001 Nacht erleben? Das klingt waghalsiger als es in Wirklichkeit ist. Auch wenn Clubs und Hotels nicht offen mit „gay“ oder „gayfriendly“ werben, hat Marrakesch der einst internationalen Zone Tanger den Status als Pink City abgelaufen.

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Vorneweg: Nach geltendem marokkanischen Recht sind homosexuelle Handlungen verboten und werden verhältnismäßig schwer bestraft; so wurden 2013 in der Nähe von Rabat zwei junge Marokkaner zu Gefängnisstrafen von jeweils vier Monaten wegen homosexueller Kontakte verurteilt. Die religiös geprägte, patriarchale marokkanische Gesellschaft ist wertkonservativ und dementsprechend homophob, trotzdem wird Homosexualität weitestgehend toleriert, solange sie diskret ausgelebt wird. Im scheinbaren Widerspruch zu diesem Verbot stehen die vielen Männer, die Hand in Hand durch Parks oder die Medina spazieren. Sie sind nicht schwul, sondern treten (nur) auf traditionelle Art mit ihren Freunden in Verbindung.

Für den offenen Austausch von Zärtlichkeiten gibt es in Marokko wenig Raum, das gilt für Heteros genauso wie für homo- oder bisexuelle Paare, die ihre Leidenschaft diskret im Privaten ausleben und sich ihre körperlichen Zuneigungen für das Riad aufsparen sollten. Trotz dieses repressiven Rahmens hat sich in Marrakesch eine Schwulenszene etabliert, deren berühmtester Vertreter wohl der Wahlmarrakschi und Modedesigner Yves Saint Laurent war, der zusammen mit seinem Partner den Jardin Majorelle renovierte, in dem er heute begraben liegt.

Clubs und Nachtleben mit schwulem Publikum

Mit dem internationalen Jetset wuchs in den Neunzigerjahren nicht nur die Zahl der Europäer in Marrakesch, sondern es sprach sich auch herum, dass es in der südmarokkanischen Königsstadt ein schwules Nachtleben gibt.

le pacha marrakesch(Le Pacha, Foto: lebaroude)

Die berühmteste Adresse ist ohne Zweifel das Diamant Noir, das unter der Woche eher gay als gayfriendly ist. Ansonsten begegnet sich die schwule Feierszene im VIP-Club, im Le Pacha, im Comptoir Darna oder in anderen Bars in der Avenue Mohammed V. im Stadtteil Gueliz. Das prädestinierte Cruising-Gebiet ist die Menschenmenge, die sich allabendlich auf dem Djemaa el Fna zum Essen und Flanieren versammelt.

Gayfriendly Hosts: diskrete Riads und offene Herzen

In der Medina von Marrakesch bieten heute mehr als 1000 Riads eine Unterkunft an. Sie sind die erste Wahl, wenn man stilecht und authentisch in Marrakesch übernachten will. Viele dieser noblen Stadthäuser befinden sich in europäischem Besitz und wurden von ihren neuen Eigentümern nicht selten vor der Verwahrlosung gerettet und traditionell renoviert. Heute werden viele Riads als luxuriöse Gästehäuser geführt, in denen sich europäische Eleganz mit marokkanischem Kunsthandwerk zu einer einzigartigen Einheit verbindet. Einige der Stadthäuser werden auch von gleichgeschlechtlichen Pärchen aus Europa betrieben.

riad anabel marrakesch (Dachterrasse Riad Anabel)

Folgende Riads gelten als gayfriendly (Auszug):

(*Booking.com)

Fazit

Da in Marokko körperliche Nähe, Intimität und Zärtlichkeit ohnehin nicht im öffentlichen Raum sondern im Privaten stattfinden, ergeben sich für homosexuelle Paare im Vergleich zu Heteros kaum Unterschiede beim Reisen. Einige Gästehäuser gelten als gayfriendly und sind schwule Gäste gewohnt, so dass es dort keine Irritationen gibt, zum Beispiel bei der Frage des Doppelbetts. Das schwule Nachtleben von Marrakesch lässt sich am besten in einem der aufgezählten Clubs erleben, aber auch hier ist ein wacher Sinn anzuraten, denn nicht selten ist der junge Mann, der einen vorschnell mit zahlreichen Komplimenten überhäuft, ein Prostituierter. Gegen die allmählich wachsende Prostitution in Marrakesch geht die Polizei inzwischen strikt vor. Wer Einheimischen näherkommt, sollte das deswegen so diskret wie möglich machen und das marokkanische Gesetz im Hinterkopf behalten. Ansonsten kann man zusammenfassend sagen, dass Marrakesch ein für Schwule und Lesben ebenso geeignetes Urlaubsziel ist wie für Heteros. There is no fucking difference!