Fotografieren in Marokko

Marokko ist mit seinem eigentümlichen Licht, den klaren Farben und den ungewöhnlichen Motiven ein regelrechtes Eldorado für Fotografen. Doch bevor man loszieht, um die Faszination des Landes in Bildern festzuhalten, sollte man ein paar Dinge beachten.

Fotografieren und Religion: Das islamische Bilderverbot

Fotografieren in Marrakesch

(Foto: Riad Marrakesch, 2013)

Der Islam verbietet wie auch der jüdische Glauben die bildliche Darstellung von Menschen und Tieren. Auch wenn sich dieses Verbot nicht direkt aus dem Koran oder den Hadithen ableiten lässt, etablierten islamische Rechtsgelehrte dennoch Rechtsauffassungen, die eher traditionell als religiös begründet werden und die Abbildung von Lebewesen unterschiedlich regeln. Die Auslegung des Bilderverbots reicht von der grundsätzlichen Ablehnung (kein Lebewesen darf bildlich dargestellt werden) bis zur eingeschränkten Genehmigung (Lebewesen dürfen bildlich dargestellt werden, sofern diese Abbildungen nicht religiös verehrt werden).

Heute spielt das islamische Bilderverbot, das einst zum überragenden Bedeutungsgewinn von Kalligraphie und Ornamentalistik führte, keine besonders große Rolle mehr. Trotzdem sollte man es aber im Hinterkopf behalten und im Zweifel vor dem Knipsen um Erlaubnis fragen, weil viele Moslems nach wie vor das Bilderverbot beachten, vor allem in abgelegeneren und religiös stärker geprägten Orten Marokkos.

Fotografieren und Broterwerb: Die Fotomodelle in der Medina

Bei meinem letzten Besuch der Medina von Marrakesch streifte ich in den Souks nördlich vom Djemaa el Fna einen kleinen Marktplatz, auf dem Gemüsehändler und Handwerker ihrer Arbeit nachgingen. Ein angebrachtes Holzschild bat die vorbeischlendernden Touristen darum, keine Fotos zu machen, ohne vorher um Erlaubnis zu fragen. Diese Bitte wirkte auf den ersten Blick etwas unwirsch, doch wenn man einen kritischen Blick auf das Verhalten anderer Touristen wirft, leuchtet der Grund dieser Aufforderung ein, denn viele Urlauber schießen mit ihren Kameras alles und jeden ab, was sie für authentisch halten. Wer nun das Glück hat, in einem von Touristen frequentierten Souk zu arbeiten, muss zwangsläufig damit rechnen, mehrmals am Tag — ja mehrmals pro Stunde — zum unfreiwilligen Fotomotiv zu werden. Hier ist es auf jeden Fall ratsam, vor dem Fotografieren um Erlaubnis zu fragen.

Andere Marokkaner, wie die Wasserverkäufer und Schlangenbeschwörer auf dem Djemaa el Fna haben eine andere Einstellung zu Privatsphäre und Religion — sie leben von ihrem Job als Fotomodell und wer eine Aufnahme dieser Menschen machen möchte, muss dafür ein entsprechendes Handgeld (ca. 10 DH) bezahlen.

Fotografieren und nationale Sicherheit: offizielle Gebäude, Botschaften und ähnliche Tabus

Absolute Vorsicht ist bei allen offiziellen Einrichtungen und Gebäuden sowie bei militärischen Anlagen anzuraten, denn das Fotografieren solcher Orte ist wie in vielen Ländern aus Sicherheitsgründen verboten. Man sollte es deswegen davon Abstand nehmen und auf das Fotografieren von Polizisten, Soldaten, Militäreinrichtungen, Botschaftsgebäuden, Limousinenkolonnen und ähnlichen Motiven verzichten.

Fazit und Hinweise zum Fotografieren von Menschen in Marokko

Fotografinnen kommen in Marokko voll auf ihre Kosten. Man kann ihnen auch schwer verübeln, dass die eindrücklichen Farben, das besondere Sonnenlicht und die faszinierenden Landschaften als Motiv dabei vielen nicht ausreichen, denn natürlich haben abgebildete Menschen nach wie vor die größte Anziehungskraft auf uns, wenn es um Authentizität und die Darstellung des vermeintlich Fremden geht. Und gerade die älteren Bewohner des Landes mit ihren stolzen Gesichtern, denen man ein häufig entbehrungsreiches aber glückliches Leben ansieht, die handwerken oder mit Waren handeln, sind dankbare Motive. Das islamische Bilderverbot ist kein Fotografierverbot und wer ein paar kleine Regeln beachtet, sollte in Marokko keine Probleme haben und trotzdem mit zahlreichen Fotos aus dem Urlaub kommen.

Fotografieren-in-Marrakesch

(Foto: Riad Marrakesch, 2013)

Es gilt von Prag bis Buxtehude als unhöflich, ungefragt Porträtaufnahmen von Personen zu machen und genauso verhält es sich natürlich auch in Marokko. Zudem lehnen es viele Menschen aus religiösen Gründen (Bilderverbot) ab, fotografiert zu werden. Daher ist es ratsam und höflich, vor dem Fotografieren um Erlaubnis zu fragen oder die eigene Absicht zumindest gestisch darzustellen und anzukündigen. Einige, vor allem Strenggläubige und Frauen, werden dann zum Ausdruck bringen, dass sie nicht fotografiert werden möchten, während andere daraus inzwischen einen einträglichen Nebenerwerb erschaffen haben. Viele Marokkaner reagieren auch ausgesprochen positiv auf die Bitte nach einem Foto und präsentieren sich stolz der Kamera, ohne etwas dafür haben zu wollen.

Wer auf Fotos von Menschen partout nicht verzichten will, kann außerdem versuchen, aus dem Bus heraus oder von einer Dachterrasse hinunter zu fotografieren. Mit einem guten Teleobjektiv lassen sich auch größere Distanzen überwinden. Das Fotografieren von offiziellen Einrichtungen, von Polizisten und Limousinenkolonnen, von Botschaftsgebäuden und militärischen Anlagen sollte man dagegen konsequent unterlassen.

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